"Wer neue Wählerschichten gewinnen will, kann nicht alte Grundsätze permanent vor sich herbeten, sondern muss überprüfen, ob sie noch mit der Wirklichkeit übereinstimmen", verlangte der CDU-Bundestagsabgeordnete. Wenn die CDU nur die Ehe als alleinige Form des Zusammenlebens von Mann und Frau akzeptiere, brauche sie sich über Stimmenverluste bei Wahlen nicht zu wundern.
Kritik übte Kretschmer an den Forderungen des nord rhein-westfälischen Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers (CDU) nach einem stärkeren sozialen Profil der Partei. Rüttgers habe mit seinem Vorstoß alle wirtschaftspolitischen Grundsätze der Union infrage gestellt. Mit der gegenwärtigen Abgabenquote und Regulierungsdichte befinde sich Deutschland näher am Sozialismus als bei der Marktwirtschaft, sagte Kretschmer. Rüttgers sei es bei seiner Kritik vor allem um das eigene Profil und weniger um das der CDU gegangen.
Sachsens SPD-Vorstandssprecher Andreas Weigel sprach in Bezug auf Kretschmers Äußerungen von einem neuen Stil der CDU. Er fügte hinzu: "Es wäre wünschenswert, wenn die Christdemokraten in allen Angelegenheiten so vorausschauend wären und die Lebenswirklichkeit der Menschen als Maß aller politischen Inhalte und Ziele nehmen würden." (ddp/mb)