Der neue Innenpolitik-Star der CDU im Freistaat, der Dresdner Landtagsabgeordnete Christian Hartmann, hat jetzt die Grenzsicherung ins Spiel gebracht. Es ist mehr als eine Hochsommerforderung, mit der sich einer wichtig machen will. Hartmann will so die Asyl-Unterbringung in den Griff kriegen. Flüchtlinge gleich an der Einreise nach Deutschland hindern, dann sieht man auch bei der Unterbringung wieder Land, so die Idee. Über eine Aussetzung des Schengen-Abkommens nachzudenken, sei deshalb "legitim", sagt Hartmann dieser Tage in jedes Mikro. "In der jetzigen Situation sollten wir Kontrollstellen einrichten, sowohl im unmittelbaren Grenzumfeld als auch im Grenzeinzugsbereich", erklärt der 41-jährige gelernte Polizist im MDR. Sachsen wolle über den Bund Druck auf die EU machen, um den freien Reiseverkehr in den Unterzeichnerstaaten des Schengen-Abkommens einzuschränken.

Sehr zum Staunen des sächsischen Europaabgeordneten Hermann Winkler. Der war vor wenigen Wochen mit einer ähnlichen Forderung um die Ecke gekommen, lief allerdings auf. Entsprechend bockig meldet sich der Brüssel-Parlamentarier jetzt zu Wort. Winkler fordert von der Landespolitik "eine grundsätzliche Positionsbestimmung" in dieser Frage. Weil die fehle, sei es "derzeit unmöglich, die Interessen des Freistaats auf europäischer Ebene zu vertreten".

Seit dem G7-Gipfel im Mai ist "Grenzen dicht!" wieder salonfähig. Damals hatten vorübergehende mobile Sicherheitskontrollen einiges abgefangen, was den Verkehrswege-Kontrollen des Zolls durch die Lappen ging - vom Chrystal-Schmuggel bis zum Schleusertum. Dass Sachsens CDU, die sich zurzeit mit harten Ansagen gefällt, die Forderung nach permanenten Grenzkontrollen bringen würde, war da nur eine Frage der Zeit. Doch gibt es noch den Koalitionspartner SPD, der von der Idee wenig hält. "Schengen infrage zu stellen, ist keine Koalitionsmeinung", sagt SPD-Chef Martin Dulig.

Nein sagen auch die Grünen. Derartige Forderungen seien "ein Angriff auf die europäische Idee", dem Grünen-Innensprecher Valentin Lippmann "entschieden entgegentreten" will. Zumal sowieso keiner wisse, wo die notwendigen Polizisten herkommen sollten, "ohne dass es anderswo ein erhebliches Sicherheitsdefizit gibt", so Lippmann. Auch der Chef der FDP, die nicht im Landtag vertreten ist, tippt sich an den Kopf. Ein "Offenbarungseid und purer Aktionismus" ist die CDU-Forderung für FDP-Chef Holger Zastrow. Bringen würde das Aufrüsten ohnehin wenig, "weil die Menschen dann die grüne Grenze nutzen", meint Zastrow.

Doch es feiert die AfD, deren Chefin Frauke Petry konstatiert: "AfD wirkt!"