Das Vogtland ist bekannt für seine idyllische Natur. Es lockt mit Wäldern und Hügellandschaften und zahlreichen "bezaubernden Städten" wie Plauen oder Klingenthal, schreibt die sächsische Kultusverwaltung auf ihrer Facebook-Seite zum Sachsenstipendium. Die netten Worte haben ihren Grund, denn das Vogtland sei eben auch "eine lohnenswerte Möglichkeit für Lehramtsstudenten" zum "erfolgreichen Berufseinstieg".

Seit zwei Jahren bietet der Freistaat Lehramtsstudierenden ein Stipendium an, wenn sie hinterher an die Dorf- und Kleinstadtschulen gehen. Neben 300 Euro monatlich erhalten die angehenden Lehrer auch Fortbildungen, individuelle Begleitung und Kontakte in der neuen Heimat. Studierende ab dem 5. Fachsemester in den Studiengängen Lehramt an Grundschulen, Mittelschulen und Sonderpädagogik können ins Programm aufgenommen werden. Außerdem bekommen die Stipendiaten individuelle Ansprechpartner an der Universität und in der zukünftigen Einsatzregion und absolvieren bereits ihre Schulpraktika in der späteren Einsatzregion.

2015 und 2016 haben jeweils 50 Studenten an dem Programm teilgenommen. 13 Stipendiaten haben ihr Studium inzwischen erfolgreich beendet - sie unterrichten an Grundschulen, Mittelschulen und Förderschulen. Im September sollen weitere 25 ihr Studium beenden. Mehr als die Hälfte der Stipendiaten werden später an Grundschulen unterrichten.

Das Kultusministerium hat das Programm 2015 aufgelegt, mehr Lehrer fürs Land zu gewinnen. "Es gibt zwar kein mangelndes Interesse am Lehrerberuf", sagt Kultusministerin Brunhild Kurth (CDU), "aber leider sind nur wenige bereit, in ländlichen Regionen als Lehrer tätig zu sein." Hier offenbart sich die Asymmetrie auf dem Lehrermarkt: Unterrichten wollen die meisten an Gymnasien in den Metropolen - dünne wird es an den Grund- und Förderschulen, gerade auf dem Land. Es kam schon vor, dass ein Viertel aller Bewerber für den Lehrerberuf ausschließlich in Leipzig und Dresden arbeiten wollten. Das Problem ist alt und ist auch nur ein Symptom eines viel größeren Problems: die quasi selbstverständliche Landflucht von jungen Leuten mit höheren Bildungsabschlüssen.

Ein Problem auch in Brandenburg. Deshalb zog Bildungsminister Günther Baaske (SPD) vor einem Jahr nach und kündigte eine Sonderzulage nach sächsischem Vorbild an. Gezahlt werden auch hier 300 Euro als befristeter Bonus. Das Programm war schnell als "Buschzulage" verschrien - Baaske betonte aber: "Ich sehe keine andere Möglichkeit, außer eben dort mit mehr Geld zu locken, weil ich möchte, dass dort ein fachgerechter Unterricht erteilt wird. Bis zum Herbst 2019 will die rot-rote Landesregierung rund 3000 Lehrer neu einstellen. Und anders als in Sachsen winkt den Lehrern hier eine Festanstellung im Landesdienst samt Verbeamtung, wenn die Voraussetzungen stimmen.

www.sachsenstipendium.de

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Brandenburgs SPD-Fraktion will neue Lehrer mit mehr Geld ins Land locken. Für das kommende Schuljahr seien noch rund 450 von 1150 offenen Stellen zu besetzen, hatte Fraktionschef Mike Bischoff vor Kurzem erklärt. Man müsse beim Einstiegsgehalt konkurrenzfähig bleiben und werde sich dafür einsetzen, bereits zum Beginn des neuen Schuljahres die Besoldungsanpassung von Stufe A 12 auf A 13 anbieten zu können, sagte Bischoff. "Sonst laufen wir Gefahr, zu Schuljahresbeginn eine Lücke zu haben." Andere Bundesländer würden bei der Verbeamtung nachziehen und ebenfalls die Besoldung erhöhen. Rot-Rot will in Brandenburg bis zum Ende der Wahlperiode die Zahl der Lehrkräfte um 1800 gegenüber dem Beginn der Wahlperiode steigern.