Gerade frisch vereidigt, kam es für Kultusministerin Brunhild Kurth (parteilos) an in ihrem ersten Plenum gleich ganz dicke. Die Fraktionen von Linken, Grünen und SPD hatten die vor knapp zwei Wochen ernannte Kurth mit Anträgen bombardiert.

Dem heftigen Streit, der sich daraufhin durch den milden Dresdner Frühlingsabend zog, folgte die neue Ministerin zaghaft. Die kampferprobten Bildungsexperten der Opposition schonten sie nicht. Im Raum standen noch die Forderungen der über 20 000 protestierenden Schüler, die vor einer Woche die sächsische Bildung im Sarg herumtrugen. Diese Schüler, sagte die Linken-Abgeordnete Cornelia Falken in scharfem Ton, "werden es sich nicht gefallen lassen, wenn an der Bildung gestrichen wird". Falken verlangte sofort Lösungen für Unterrichtsausfall, für Klassenzusammenlegungen und Lehrerabordnungen. Missstände, für die es einen gemeinsamen Grund gibt: zu wenige Lehrer. Die SPD-Abgeordnete Eva-Maria Stange betonte, dass Sachsens Schulen jährlich mindestens 850 neue Lehrer brauchen.

Im Zentrum des Ärgers steht seit einem Vierteljahr das Bildungspaket, mit dem die schwarz-gelbe Koalition dem drohenden Lehrermangel begegnen wollte. Es sieht 2200 Neueinstellungen bis 2015 vor, die angesichts neu kursierender Zahlen aus dem Kultusministerium aber wohl durch den parallelen Stellenabbau aufgefressen werden.

Demnach rechnet das Ministerium schon für das kommende Schuljahr 2012/13 mit einem Defizit von 550 Stellen, das vor allem durch den Wechsel vieler Lehrer in die Ruhephase der Altersteilzeit entstehe.

Von dem Moment an, als der Ex-Kultusminister Roland Wöller (CDU) das Problem offen benannte, dauerte es einen knappen Monat bis zu seinem Rücktritt. Die Nachfolgerin, Brunhild Kurth, hält sich mit Zahlen und Forderungen bislang zurück.

Die verfahrene Situation bietet Chancen für die darbende FDP. Bereits am Wochenende hat deren Landesvorsitzender, Holger Zastrow, der Kultusbürokratie den Kampf angesagt und ein "Bildungspaket 2.0" gefordert.

Der FDP-Bildungssprecher Norbert Bläsner machte es am Mittwoch konkreter: Es bestehe "die Möglichkeit, zu pragmatischen und zielgerichteten Lösungen zu kommen". Nun müssten Lösungen gefunden werden, die über 2015 hinausgehen, so Bläsner.

Auch Patrick Schreiber (CDU) machte Hoffnung auf Lösungen: "Es ist klar, dass wir im kommenden Haushalt keine 2500 Lehrerstellen weniger haben werden." Von der FDP heißt es nun, das Bildungspaket sei zumindest eine gute Grundlage, um in der Bildungspolitik weiterzuarbeiten. Die Liberalen schwenken also um und wälzen die Verantwortung dafür auf den zurückgetretenen Wöller ab. Den hatte Zastrow schon beim Parteitag am Sonnabend mit Maximalbeschimpfung dafür bestraft, dass die Einführung der Oberschule seit 2009 noch auf der langen Bank liegt.

Wöller habe "zu lange an verkrusteten Strukturen" festgehalten, sagte Norbert Bläsner. Brunhild Kurth blieb auch diesmal vorsichtig: Sie werde "alles daran setzen, dass allen Schülern diese exzellente Bildung ohne Leerlauf zuteil wird".

Zum Thema:
Sachsen will arbeitslosen Jugendlichen den Start ins Berufsleben erleichtern. Dafür stelle das Land fünf Millionen Euro bereit, sagte Wirtschaftsminister Sven Morlok im Landtag in einer Fachregierungserklärung. Zudem sollen die begehrten Weiterbildungsschecks von mehr Sachsen beantragt werden können. Dazu sollen auch arbeitslose Schulabgänger gehören, wie der FDP-Politiker erklärte. Jedes dritte ausbildungswillige Unternehmen in Sachsen habe unbesetzte Lehrstellen, betonte Morlok. Zugleich gebe es Hunderte schwer vermittelbare Jugendliche auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz. Schulische Qualifizierungen seien für sie der falsche Weg. "Die Jugendlichen haben keinen Bock mehr auf Schule", sagte der Minister. Sie müssten die Chance für eine betriebliche Ausbildung erhalten.