Derzeit gibt es bereits 373 unbesetzte Klinikstellen im Land, wie der Präsident der Sächsischen Landesärztekammer, Jan Schulze, gestern sagte.
Bei Umsetzung der europä ischen Bestimmungen, wonach Bereitschaftsdienst in Kliniken als Arbeitszeit gewertet wird, werde etwa das Dreifache an Stellen zu besetzen sein. Schulze bewertete den Gerichtsbeschluss jedoch als Teilerfolg. Damit werde anerkannt, dass Ärzte nach dem Bereitschaftsdienst eine Ruhezeit brauchen.
Das Bundesarbeitsgericht hatte am Dienstag entschieden, dass Bereitschaftsdienste von Ärzten in deutschen Krankenhäusern zwar weiterhin nicht der Arbeitszeit zugerechnet werden. Zugleich hatte das Gericht jedoch einen Widerspruch zwischen deutschen und europäischem Recht festgestellt.
Der Gesetzgeber wurde aufgefordert, das deutsche Arbeitszeitgesetz einer Richtlinie der Europäischen Union anzupassen. Demzufolge zählt der Bereitschaftsdienst von Ärzten zur Arbeitszeit. Zudem dürfen Mediziner nicht mehr als 48 Stunden pro Woche arbeiten.
Das Gesprächsangebot der Bundesregierung an die Ärzte bedeute ein Ende der Eiszeit, sagte Schulze. Diese Möglichkeit wolle das Sächsische Bündnis Gesundheit 2000 nutzen, um die besonderen Probleme in Ostdeutschland in den Vordergrund zu stellen. Die sächsischen Vertreter von Heilberufen fordern insbesondere eine Reduzierung der Bürokratie im Gesundheitswesen und verbesserte Arbeitsbedingungen. (ddp/wie)