Das sei ja „eine tolle Idee“ , schrieb er und machte sich gleich ans Werk: Heraus kam dabei das Grundkonzept für die Imagekampagne „Sachsen für Sachsen“ , ein Werbefeldzug für die Landes-CDU im Vorfeld der Landtagswahl 1999, getarnt als unabhängige Initiative sächsischer Bürger und Unternehmer.
Die herausragenden Persönlichkeiten, an der Spitze Ministerpräsident Kurt Biedenkopf (CDU), sollten ihre Leistungen „möglichst immer in in einer intelligenten Verwobenheit mit unabhängigen externen Persönlichkeiten“ darstellen, heißt es in dem Konzept, das der RUNDSCHAU vorliegt. „Wenn die CDU oder der Ministerpräsident oder die Minister ihre Arbeit loben, stößt das auf weniger Akzeptanz, als wenn prominente Persönlich-keiten . . . dieses sagen, weil es objektiv vorgetragen wird.“

Kritik fördert Glaubwürdigkeit
Auch in die Bilanz der Regierung, ist in dem Papier zu lesen, gehöre durchaus Negatives. „Auch Kritik an der CDU. Das ganze wirkt dadurch nur glaubwürdiger.“ Ganz zum Schluss rät Bilges noch, die SPD und die Gewerkschaften in die Kampagne einzubinden.
Knapp drei Millionen Mark machte die Sachsenring AG für diese Art von Wahlkampf locker. Der sächsische Ex-Wirtschaftsminister Kajo Schommer (CDU) soll das Ganze eingefädelt haben - als „übler Parteispenden-Trickser“ , wie Ulf Rittinghaus, Ex-Chef der Sachsenring AG, gestern gegenüber der RUNDSCHAU noch einmal bekräftigte: „Ich bleibe bei meiner Version. Die würde ich auch vor einem Gericht oder einem Untersuchungsausschuss beeiden.“
Danach soll Schommer die Sachsenring AG quasi erpresst haben, einen Teil der Steuergelder, die die Unternehmen für den Kauf der Dresdner Chipfabrik ZMD erhalten hat, in die Imagekampagne „Sachsen für Sachsen“ umzuleiten.
Gestern präsentierten die Rittinghaus-Brüder Ernst-Wilhelm und Ulf weitere Belege für diese Version, projizierten im Leonardo-da-Vinci-Raum des Dresdner Flughafens Aktenvermerke, Briefe und Unterlagen zur Kampagne an die Wand. Einige dieser Papiere tragen Vermerke wie „vertraulich“ oder „persönlich“ .
Aus Briefwechseln zwischen Bilges und Scholz & Friends, die die Kampagne steuerte, geht hervor, dass die Berliner Werbeagentur den damaligen Regierungssprecher Michael Sagurna auf dem neuesten Stand der Planungen zur Kampagne. Mehrfach klärten Bilges, Rittinghaus und Schommer persönlich Details ab.

Dankesbrief von „König“ Kurt
Bis heute bestreitet die Landesregierung, dass die Kampagne eine CDU-Kampagne gewesen ist. Vor kurzem hatte Sagurna gegenüber der RUNDSCHAU zwar eingeräumt: Die sächsische Landesregierung habe sich durchaus eingemischt, „um die Kampagne in eine Richtung zu führen, die nicht mit Wahlkampf in Verbindung gebracht werden kann“ , und mit Erfolg durchgesetzt, dass die CDU und Biedenkopf da rausgehalten worden seien. Die neuen Belege lassen diese Aussagen inzwischen in einem neuen Licht erscheinen.
Wohl nicht umsonst bedankte sich Biedenkopf in einem persönlichen Brief beim „lieben Hans-Erich“ für die Kampagne, die dem Ansehen des Freistaats Sachsen sehr genützt habe. Hans-Erich Bilges wusste das zu schätzen. „Das ist einiges wert“ , merkte er dazu an. Ulf Rittinghaus erklärte diesen Satz jetzt: „Ein dankbarer Ministerpräsident ist nützlich.“