Insgesamt haben rund 450 000 Menschen in diesem Jahr die brandenburgischen Gedenkstätten in Sachsenhausen und Ravensbrück besucht - etwa so viele wie im Vorjahr.
Mehr ausländische Gäste, die Eröffnung einer Internationalen Jugendbegegnungsstätte in Sachsenhausen und die ersten Schritte zur Neugestaltung der Gedenkstätte für das einstige Frauen-KZ Ravensbrück - dies sind laut Morsch nur einige Höhepunkte des zu Ende gehenden Jahres. So sei die Neukonzeption für Ravensbrück mit Besucherzentrum und neuer Dauerausstellung "dringend überfällig und notwendig". Nachdem die Russen das einstige Lager durch ihre militärische Nutzung stark überformt haben, "musste der historische Ort erst wieder zurückerobert werden". Die Bauarbeiten für das neue Besucherinformationszentrum haben kürzlich begonnen, Eröffnung wird im Herbst 2007 sein.
Nachdem seit Gründung der Stiftung 1993 die Investitionen für Baumaßnahmen im Verhältnis 2:1 für Sachsenhausen aufgewandt wurden, ist dies seit 2006 zu Gunsten von Ravensbrück umgekehrt. "Damit fließen von den jährlich rund 1,5 Millionen Euro, die im Haushalt für Bauinvestitionen vorgesehen sind, zwei Drittel in die Neugestaltung der dortigen Gedenkstätte. Da dies aber nicht ausreicht, um die Neukonzeption zügig umzusetzen, hoffen wir auf zusätzliche Fördermittel", betont Morsch.
Positiv ist derweil auch die Resonanz auf die pädagogischen Angebote der Gedenkstätte Ravensbrück. "Vor allem Mehrtagesprojekte werden immer öfter nachgefragt", sagt der Leiter der Pädagogischen Dienste, Matthias Heyl. Neben den Baumaßnahmen gehört im nächsten Jahr eine Ausstellung über die Zwangsprostitution von Häftlingsfrauen zu den herausragenden Veranstaltungen in Ravensbrück. In der Gedenkstätte Sachsenhausen steht das nächste Jahr nach den Worten von Morsch vor allem im Zeichen der neuen Dauerausstellung in der einstigen Häftlingsküche, die derzeit denkmalgerecht saniert wird.
"Sie soll von Ende 2007 an einen Überblick über die Geschichte des KZ Sachsenhausen vermitteln und auf die dezentralen Ausstellungen verweisen." Zahlreiche originale Großexponate wie der Galgen, der Leichenschlitten oder die Messlatte der Genickschussanlage zeigen dann schlaglichtartig das Grauen dieses Ortes. Auch soll das Totenbuch des KZ erstmals präsentiert werden und in einem Kino läuft ein 20-minütiger Film - in mehreren Sprachen abrufbar. In dem zuletzt stark verfallenen Gebäude war bereits zu DDR-Zeiten eine Ausstellung zu dem KZ untergebracht.
Als erstes Ereignis 2007 steht am 27. Januar der Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus an, der in der Gedenkstätte Sachsenhausen der dort inhaftierten Opfer der NS-Militärjustiz gewidmet ist. "Die Existenz dieser KZ-Häftlinge, die wegen Disziplinlosigkeiten oder Flucht aus der Truppe im KZ inhaftiert wurden, ist bis heute verdrängt worden", sagt Morsch. Auch wurden sie als "Vaterlandsverräter lange kriminalisiert". (dpa/mb)