Fazit: Ost und West spielen in unterschiedlichen Ligen - nicht nur bei der kommunalen Steuerkraft, sondern auch bei Arbeitslosigkeit, Wirtschaftskraft oder Einkommen liegen noch immer Welten zwischen beiden Hälften der Bundesrepublik.

Auch wenn es im Westen einzelne "Problemregionen" gebe, seien doch die westdeutschen Länder "ganz erheblich mehr in der Lage als die ostdeutschen Länder, ihre vergleichsweise wenigen strukturschwachen Regionen aus eigener Kraft zu schultern", heißt es in einem Papier des Finanzministeriums.

Der Analyse aus Sachsen zufolge ist hohe Arbeitslosigkeit weiterhin in erster Linie ein ostdeutsches Problem. In den neuen Ländern weisen 57 von 77 Landkreisen und kreisfreien Städten eine "extrem hohe Arbeitslosigkeit" aus. In diese Kategorie fällt, wer mit seiner Quote mindestens 30 Prozent über Bundesdurchschnitt liegt.

Im Westen könne davon flächendeckend keine Rede sein, urteilt das Ministerium. In den dort am meisten betroffenen Ländern Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein gehört jede vierte Gebietseinheit in diese Kategorie, in Bremen und Niedersachsen jede siebte und in Rheinland-Pfalz und Hessen nicht einmal jede zehnte. In Baden-Württemberg, Bayern und im Saarland liegen laut Statistik selbst die schwächsten Arbeitsagentur-Bezirke unterhalb des Bundesdurchschnitts.

In der Kategorie Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Einwohner rangierten die Ostländer 2010 auf den letzten fünf Plätzen: Sachsen (22 870 Euro pro Einwohner) lag vor Brandenburg (22 258), Thüringen (22 252), Sachsen-Anhalt (22 245) und Mecklenburg-Vorpommern (21 730). Der Bundesdurchschnitt betrug 30 566 Euro.

Im Einkommen hinkt der Osten ebenfalls hinterher. Bei Primäreinkommen (Einkommen aus Vermögen und Erwerbstätigkeit) finden sich Thüringen (15 602 Euro pro Jahr), Sachsen (15 503), Mecklenburg-Vorpommern (15 273) und Sachsen-Anhalt (15 191) auf den letzten Plätzen. Brandenburg liegt mit 17 442 Euro noch vor Berlin (17 070). Das schlechteste West-Land ist das Saarland (20 717), den besten Wert hat Hamburg (28 819). Die Werte stammen von 2009.

Bezogen auf die kommunale Steuerkraft ist das West-Ost-Gefälle noch stärker als im BIP-Vergleich. Der Osten hatte 2010 Werte zwischen 557 Euro (Sachsen) und 454 Euro (Mecklenburg-Vorpommern) je Einwohner. Im Westen sind es zwischen 1052 in Hessen und 678 im Saarland.

Das alles summiert sich zu einem Gesamtbild: "Westliche ,Problemregionen' sind immer nur in Bezug auf einen Indikator auffällig. In Ostdeutschland fallen extrem hohe Arbeitslosigkeit, geringe Wirtschaftskraft und niedrige Steuerkraft regelmäßig zusammen", lautet die Einschätzung aus Sachsen.