ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 20:45 Uhr

Raubtiere in Sachsen in der Fotofalle
Zwei neue Wolfsrudel in der Lausitz sesshaft

FOTO: Lupus Institut
Bautzen/Görlitz . In der Lausitz sind zwei neue territoriale Wolfsrudel nachgewiesen. Zwischen Löbau und Zittau (Kreis Görlitz) und in der Massenei, einem etwa 1500 Hektar großen Waldgebiet östlich von Dresden zwischen Stolpen, Arnsdorf und Großröhrsdorf (Kreis Bautzen).

Bei Großhennersdorf nördlich von Zittau ist ein Rüde im Februar dieses Jahres in die Fotofalle gelaufen. Im Juni sind ist eine Wölfin mit Gesäuge und zwei Welpen nachgewiesen worden.

Das bestätigt das Kontaktbüro Wolfe in Sachsen, das die offizielle Informationsstelle zum Thema Wolf des Sächsischen Staatsministeriums für Umwelt und Landwirtschaft (SMUL), in Trägerschaft des Landratsamtes Görlitz, ist.

Im Waldgebiet Massenei gab es bereits im Februar vergangenen Jahres den genetischen Nachweis einer aus dem Daubaner Rudel stammenden Wölfin, die sich anschließend im Hohwald niederließ und dort im Mai 2017 auch Welpen bekam.

Zudem war nordöstlich der Massenei bei Rammenau ein männlicher Wolf im April 2017 überfahren worden. Dessen Herkunftsrudel ist bisher unbekannt. Westlich der Massenei war nahe Radeberg eine Wölfin aus der Laußnitzer Heide bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen. Nun zeigen Aufnahmen einer Kamerafalle von Anfang Mai 2018 in dem Gebiet eine Fähe mit Gesäuge.

In neun bereits zuvor bekannten sächsischen Wolfsterritorien ist aktuell ebenfalls Nachwuchs nachgewiesen: Aus den Territorien Neustadt, Cunewalde, Dauban, Gohrischheide, Rosenthal und Knappenrode gibt es Welpenfotos oder tot aufgefundene Welpen. Außerdem liegen aus den Rudeln Daubitz, Kollm und Nochten ebenfalls Nachweise über Nachwuchs durch Aufnahmen einer Wolfsfähe mit Gesäuge von einer Fotofalle vor. Ebenso aus dem Bereich Delitzsch/Bad Düben. Hier allerdings muss noch untersucht werden, ob es sich dabei um die Fähe des Dübener Heide-Wolfspaares handelt oder sich dort möglicherweise ein neues Rudel etabliert hat, teilen die Wolfsexperten aus Rietschen mit.

In den Sommer- und Herbstmonaten liegt der Schwerpunkt des Wolfsmonitorings auf der Suche nach Hinweisen auf Welpen. Es wird versucht, in den bekannten Wolfsterritorien und in Gebieten mit unklarem Status Welpen über dokumentierte Spuren, Fotos oder Filmaufnahmen zu bestätigen. Nach den nationalen Monitoringstandards wird der soziale Status der einzelnen Vorkommen, also Rudel, Paar oder territoriales Einzeltier, jährlich ermittelt.

Halter von Schafen und Ziegen in den Gebieten, in der sich die neuen Rudel etablieren, sollten Vorkehrungen für den Schutz ihrer Tiere treffen. Elektrozäune seien geeignet. „Nicht elektrifizierte Festzäune aus Maschendraht, Knotengeflecht oder ähnlichem Material werden nicht empfohlen, da sie von Wölfen leicht untergraben, übersprungen und überklettert werden können“, teilt das Wolfsbüro mit. Der Freistaat Sachsen führt derzeit ein Pilotvorhaben zum verbesserten Schutz von Schafen und Ziegen vor Wölfen an Festzäunen durch. Es soll die Wirkung zusätzlicher stromführender Drähte an bestehenden Festzäunen guter Bauart erprobt werden.

Tierhalter, die Fragen zu geeigneten Schutz haben und grundlegende Informationen zu den Fördermöglichkeiten für die Prävention wünschen, können sich an einen der Beauftragten für Herdenschutz wenden (siehe Infokasten). Die Beratungen sind kostenfrei und können auch vor Ort stattfinden. Angesprochen sind neben den Haltern von Schafen und Ziegen auch die Halter von Gatterwild und Mutterkühen.

(kw)