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Zwei Duelle ums Dresdner Rathaus

Tatjana Festerling (Pegida)
Tatjana Festerling (Pegida) FOTO: dpa
Dresden. Zwei Minister, ein unabhängiger FDP-Mann und jetzt noch eine entlaufene AfD-Frau für Pegida. Ziemlich fest steht im Dresdner OB-Wahlkampf schon mal, dass keiner von ihnen im ersten Wahlgang gewinnt. Christine Keilholz

Nach Wochen der Geheimniskrämerei steht nun fest, dass Tatjana Festerling am 7. Juni für das Pegida-Bündnis antritt. Mit der ehemaligen AfD-Funktionärin aus Hamburg will die Bewegung von der Straße den Sprung in die Politik schaffen.

Viel ist nicht bekannt über die Frau, die schon mehrmals auf der Pegida-Bühne in der Dresdner City sprach. Das tat sie wochenlang vor eher spärlichem Publikum. Indes, an diesem Montag zählte die Polizei 7100 Anhänger bei der Kundgebung der Islamkritiker auf dem Altmarkt. Den Zulauf nutzte Organisator Lutz Bachmann, um die Kandidatur Festerlings wirkungsvoll zu bestätigen - nachdem die bereits vor Wochen durchgesickert war. Die Kandidatin selbst sprach von einer "historischen Chance" und fuhr gleich ihre erste Attacke gegen ihren Mitbewerber, Innenminister Markus Ulbig (CDU).

Mit der Pegida-Kandidatin ist nun die letzte Variable im Dresdner Wahlkampf bekannt. Augenfällig vor dieser Wahl ist die Zersplitterung des bürgerlichen Lagers. Während gleichzeitig die linke Opposition das Erstaunliche hinbekam, als sie sich Ende Januar für eine gemeinsame Kandidatin entschied. Hinter der SPD-Frau Eva-Maria-Stange scharen sich in diesem Wahlkampf Sozialdemokraten, Linke und Grüne. Angesichts der linken Mehrheit im Stadtrat ist es mehr als möglich, dass Wissenschaftsministerin Stange ins Rathaus einzieht. Es sei denn, der CDU gelingt es, die letzte schwarz regierte deutsche Landeshauptstadt zu halten. Dafür schickt die stärkste sächsische Partei mit Innenminister Markus Ulbig ihren besten Kommunalpolitiker in den Kampf. Einen, "der Oberbürgermeister kann", wie es aus der Parteispitze heißt. Der 50-jährige Ulbig ist ein bekanntes Gesicht, kennt Land und Leute, war jahrelang Rathauschef in Pirna. Einziger Makel: Er wohnt ebenda, was die metropolstolzen Dresdner Bürgerlichen verschnupfen könnte. Zudem steht die CDU wegen ihres uneinheitlichen Kurses gegenüber den Pegidas unter Druck, ebenso wegen der Ad-Hoc-Unterbringung von Flüchtlingen. Verantwortlich dafür ist Innenminister Ulbig.

Außerdem ist da noch der Amtsinhaber Dirk Hilbert (FDP), der den OB-Stuhl nicht abgeben will. Auch der 44-jährige Erste Bürgermeister, der seit dem Rückzug der Rathauschefin Helma Orosz (CDU) die Amtsgeschäfte führt, bewirbt sich um die Nachfolge der Chefin - als FDP-Mann dürfte er indes nur Außenseiterchancen haben. Der Verein "Unabhängiger Bürger für Dresden" hat Hilbert deshalb als parteiübergreifenden Kandidaten nominiert.

Dass der CDU die Konservativen von der Fahne springen, darauf spekuliert die AfD. Die überraschte im Februar mit einem eigenen Kandidaten. Der 57-jährige Finanzmakler Stefan Vogel soll es für die AfD machen. Nach der Kommunalwahl im Mai 2014 war die AfD mit sieben Prozent in den Stadtrat eingezogen. Doch da gab es noch kein Pegida, mit dem sich die Partei die rechte Protestklientel teilen musste.

Spannend wird also nicht nur das Rennen ums Rathaus zwischen Stange und Ulbig - spannend wird auch das Rennen zwischen AfD und Pegida um einen starken Achtungserfolg. Zwar lassen sich die 7100 Festerling-Zuhörer vom Montag kaum in Wählerstimmen für Dresden umrechnen - denn viele Pegida-Anhänger kommen aus dem Umland. Auch die 6100 Fans von Festerlings Unterstützerseite auf Facebook sagen über ihre Chancen bei der OB-Wahl wenig aus. Einigermaßen sicher lässt sich indes sagen, dass kein Kandidat am 7. Juni über 50 Prozent der Stimmen kommen wird. Die endgültige Entscheidung wird wohl der zweite Wahlgang am 5. Juli bringen.