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Zu viele Häuser im Osten

Blick über Weißwasser – nach Einschätzung des Verbandes Sächsischer Wohnungsgenossenschaften eine für die Region wichtige Ankerstadt.
Blick über Weißwasser – nach Einschätzung des Verbandes Sächsischer Wohnungsgenossenschaften eine für die Region wichtige Ankerstadt. FOTO: Ch. Köhler
Dresden/Köln. In Sachsen ist der Wohnungsleerstand in den vergangenen Jahren kontinuierlich zurückgegangen. Eine positive Entwicklung, die aber nicht darüber hinwegtäuscht, dass "wir in den kommenden Jahren wieder mit einem zunehmenden Leerstand, vor allem im ländlichen Raum, rechnen müssen", sagt Rainer Seifert, Direktor des Verbands der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft Sachsen (VDW). Christine Keilholz / ckz1

Seifert verweist auf Zahlen, die sein Verband bei den Mitgliedsunternehmen erhoben hat. Demnach sank der Leerstand von 25,8 Prozent zur Jahrtausendwende auf aktuell 9,9 Prozent.

Die Verteilung ist indes regional höchst unterschiedlich. In den Regionen außerhalb der Metropolen - zuvörderst Leipzig, Dresden und Chemnitz - liege der Leerstand auch aktuell noch bei mehr als 13 Prozent. "Er könnte sich nun wieder nach oben entwickeln", so Seifert. Nach Einschätzung des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) entstehen in Sachsen viele neue Wohnungen am Bedarf vorbei. In den meisten Kreisen wird laut einer neuen Studie der Kölner Wirtschaftsforscher in der Bilanz zu viel neugebaut.

Lediglich in den großen Städten Dresden, Leipzig und Chemnitz fehlten Wohnungen. In den Kreisen Görlitz und Zwickau ging die Zahl der Wohnungen zurück, allerdings bestand hier auch kein Bedarf an neuen.

Sachsens Großstädte sind Magnete. Fast 56 Prozent der vier Millionen Einwohner des Freistaats leben in den Verdichtungsräumen um Dresden, Leipzig und Chemnitz. Sie konzentrieren sich damit auf nur 17 Prozent der Landesfläche.

In den übrigen Oberzentren hat sich der Rückgang der Einwohner etwas verlangsamt. Ende 2014 lebten 40 Prozent der Sachsen in Oberzentren. Auch die Mittelzentren in den Verdichtungsräumen der Oberzentren Leipzig und Dresden können bei der Einwohnerzahl fast durchweg einen Positivtrend vermerken, ebenso die Universitätsstadt Freiberg. Die kleineren Mittelzentren bieten 22 Prozent eine Heimat. Tendenz sinkend.

Nicht nur der VDW fordert daher, dass neben Neubauprogrammen auch weiterhin der Rückbau gefördert wird. Auch wenn die großen Rückbauprojekte mittlerweile abgeschlossen seien, sagt Rainer Seifert.

Auch das Dresdner Ifo-Institut warnt vor einem massiven Werteverfall von Immobilien in vielen ländlichen Regionen des Ostens. Dieser Werteverfall geht mit dem steigenden Leerstand einher, heißt es in einer aktuellen Veröffentlichung des Instituts. Demnach werde die Förderung von neuen Wohnungen für weite Teile Deutschlands von untergeordneter Bedeutung sein. Parallel dazu herrscht in urbanen Zentren wie Berlin und auch Leipzig steigender Preisdruck.

Der Verband Sächsischer Wohnungsgenossenschaften teilt Sachsens Städte je nach Bevölkerungstendenz und Wohnungsmarkt in drei Kategorien ein: Schwarmstädte, Ankerstädte und sogenannte versteckte Perlen. Zu den Schwarmstädten zählt der Verband neben den drei Metropolen auch die Universitätsstadt Freiberg, die aus nahezu allen Regionen neue Einwohner ziehe.

Als Ankerstädte rangieren Weißwasser, Zittau, Hoyerswerda, Riesa und Grimma - sie sind wichtig für die Region, da sie für die umliegenden Gemeinden eine Ankerfunktion erfüllen. Trotzdem werde auch hier "Schrumpfung weiter ein Thema sein", heißt es aus dem Verband.

Eine Sonderstellung nehmen versteckten Perlen ein. Sie verlieren zwar ebenfalls gegenüber den Ballungszentren, können aber gegenüber der Umgebung Bevölkerungszuwächse verzeichnen. Versteckte Perlen sind Mittweida, Döbeln, Bautzen, Markranstädt, Delitzsch, Borna, Stollberg/Erzgebirge, Wurzen, Eilenburg, Hohenstein-Ernstthal und Bischofswerda.

Zum Thema:
Auch in Brandenburg werden laut Institut der Deutschen Wirtschaft zu viele Wohnungen gebaut. Vielerorts übersteigt der Neubau den Bedarf - den die Kölner Wirtschaftsforscher überhaupt nur in Potsdam, Oberhavel, Teltow-Fläming sowie Cottbus und Frankfurt (Oder) erkennen können. In der Uckermark, der Prignitz sowie den drei südlichen Landkreisen Brandenburgs gibt es der Studie zufolge gar keinen Bedarf an Neubauten. Die Forscher erwarten in betroffenen Regionen Leerstände und empfehlen den Kommunen etwa, Neubauten an den Abriss von Altbauten zu koppeln.