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Zoo Leipzig eröffnet Leoparden-Tal

Leoparden-Männchen Xembalo streift durch die neue Leoparden-Anlage im Zoo Leipzig.
Leoparden-Männchen Xembalo streift durch die neue Leoparden-Anlage im Zoo Leipzig. FOTO: dpa
Der Zoo Leipzig nimmt eine neue Anlage für bedrohte Amur-Leoparden in Betrieb. Zoo-Direktor Jörg Junhold erklärt im Interview, warum Zoos einen wichtigen Beitrag zum Artenschutz leisten und wie er zu angekündigten Protesten von Tierschützern steht.

Am Wochenende wird das neue Leoparden-Tal eröffnet. Welche Bedeutung hat die Anlage für den Zoo Leipzig?
Die Leopardenanlage ist in mehrerer Hinsicht von Bedeutung. Zum einen sind Amur-Leoparden ganz besonders vom Aussterben bedroht. Wir sind seit 1968 Halter dieser wunderschönen Tierart. Es ist wichtig, dass wir in Europa stabile Populationen haben und entsprechende Möglichkeiten, um zu züchten. Das haben wir mit der neuen Anlage. Zum anderen ist es die erste Neueröffnung im dritten Entwicklungsabschnitt unseres "Zoos der Zukunft". Und dann ist es für den Besucher eine große Attraktion. Wir haben versucht, eine Landschaft zu gestalten, wie sie im Lebensraum im Amur-Ussuri-Gebiet vorkommt. Den speziellen Charakter macht ein 15 Meter langer, halbrund gebogener Panorama-Blick ohne klassische Gitter aus.

Wie viele Tiere werden dort einziehen?
Wir haben zwei Tiere. Das ist unser Zuchtpaar, Xembalo, der Kater, und Vatne, die Katze. Sie sind beide sieben Jahre alt. Mit beiden hatten wir 2010 schon Nachwuchs, und nun hoffen wir, dass sie in der neuen Umgebung auch wieder züchten. In freier Wildbahn existieren nach jüngsten Zählungen noch 49 Tiere, in den Zoos leben 171 registrierte Tiere.

Tierschutzorganisationen haben für Samstag Proteste angekündigt. Motto: Man wolle mit dem Mythos Zoo als Artenschutzinstitution aufräumen. Was sagen Sie dazu?
Dem sehen wir ganz gelassen entgegen. Selbstverständlich haben wir keinerlei Probleme mit dem demokratischen Recht auf Versammlungsfreiheit. Wir hoffen, dass das so wie angekündigt im friedlichen Rahmen abläuft. Wir selber wissen, dass das, was uns da vorgeworfen wird - in Zoos würden Tiere nicht ordentlich gehalten - völlig an den Haaren herbeigezogen ist. Es tut ein bisschen weh, dass diejenigen, die die Tierliebe zum Beruf gemacht haben, von einer kleinen Gruppe angezählt werden. Ich glaube, dass die Menschen sich ein Bild davon machen können, dass Zoos im 21. Jahrhundert keine Gefängnisse sind, sondern hoch professionell betriebene Einrichtungen mit einem gesellschaftlichen Auftrag.

Sie betonen immer wieder, dass der Zoo Leipzig zum Artenschutz beiträgt. Das würden Sie auch jederzeit so verteidigen?
Aber selbstverständlich. Ich sage immer, wir sind beides: Bildungseinrichtung - wir sensibilisieren die Menschen, zeigen ihnen die Schönheit der Tiere, zeigen ihnen die Lebensräume, wir klären auf, und wir tun etwas für die Zucht, damit wir stabile, gesunde Populationen haben für spätere angedachte Wiederansiedlungen. Wir haben auch vor Ort Artenschutzprogramme. Es ist meine felsenfeste Überzeugung, dass die Bedeutung der Zoos eher noch steigen wird, weil der Druck auf die Umwelt groß ist.

Der Zoo Leipzig hat 2013 ein Besucherminus hinnehmen müssen. Wie ist 2014 angelaufen?
Gigantisch. In diesem Jahr hat uns das milde Wetter sehr positiv mitgespielt. Wir haben doppelt so viele Gäste in den ersten zweieinhalb Monaten wie im vorigen Jahr. Als es jetzt so frühlingshaft war, hatten wir einen Besuch fast wie im Sommer, am Wochenende zwischen 7000 und 8000 Gäste.

Das heißt, Sie knacken dieses Jahr die Zwei-Millionen-Marke wieder?
Das ist überhaupt nicht das Ziel. Wir hatten den Rückgang nach dem Großprojekt Gondwanaland eingeplant, das schlechte Wetter hat es etwas verschärft. Unser Ziel ist es, zwischen 1,6 und 1,8 Millionen Gäste langfristig zu haben.

Mit Jörg Junhold

sprach Birgit Zimmermann

Jörg Junhold (49) führt den Leipziger Zoo seit 1997. Er ist promovierter Veterinärmediziner und seit 2013 auch Honorarprofessor der Universität Leipzig.
Jörg Junhold (49) führt den Leipziger Zoo seit 1997. Er ist promovierter Veterinärmediziner und seit 2013 auch Honorarprofessor der Universität Leipzig. FOTO: dpa