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Zahnarztbesuch ohne Angst und Stress

Zahnarztstuhl und Bohrer machen vielen Patienten Angst. Während der Behandlung nichts zu spüren, ist ein Traum für viele. Dr. Angela Grundmann aus Löbau kann diesen Wunsch erfüllen – auf ungewöhnliche Art: Sie hypnotisiert die Patienten, statt sie zu narkotisieren. Von Uwe Menschner

Wer kennt es nicht: Das beklemmende Gefühl, wenn man auf dem Zahnarztstuhl Platz nehmen muss. Auch für Sylvia Funke stellt dies jedes Mal aufs Neue eine besondere Herausforderung dar. „Und heute bin ich noch ein bisschen aufgeregter als sonst“ , bekennt die 48-Jährige.

Pupillen folgen dem Licht
Dafür gibt es auch einen Grund: Zum ersten Mal unterzieht sich die Löbauerin einer besonderen Form der Zahnbehandlung. In dem Augenblick, wo normalerweise das bedrohliche Summen des Bohrers einsetzt, schaltet Dr. Angela Grundmann eine kleine Stablampe ein. „Schauen Sie in das Licht, konzentrieren Sie sich nur auf diesen Punkt“ , sagt sie leise und führt die Lampe mit sanften Bewegungen vor den Augen der Patientin hin und her, hin und her. Die Pupillen folgen der Lichtspur, schnell zunächst, dann langsamer werdend. „Stellen Sie sich vor, dass Sie an einem Strand liegen. Die Sonne scheint, es ist warm und angenehm.“ Sylvia Funkes Augen schließen sich. Ihre Atemzüge werden ruhiger, tiefer. Jetzt passiert das Unvermeidliche - der Bohrer geht an. Doch die 48-Jährige zeigt keine Reaktion. Ruhig und entspannt liegt sie da, während die Zahnärztin, unterstützt von Schwester Annett Neumann, ihre Arbeit verrichtet. Nur die Augenlider flattern, ähnlich wie in der Traumphase eines friedlichen Schlafes.
Eine Viertelstunde später: „Ich zähle jetzt langsam bis drei“ , sagt Angela Grundmann. „Bei zwei schlagen Sie ihre Augen auf. Bei drei recken und strecken Sie sich und sind hellwach.“ Gesagt, getan. Noch ein wenig ungläubig schauend, reckt sich Sylvia Funke in die Höhe: „War es das schon? Ich spüre überhaupt nichts.“ Die erste Zahnbehandlung der Löbauerin unter Hypnose ist lehrbuchmäßig verlaufen.
„Fast alle Patienten haben Angst vor der Zahnbehandlung, die einen weniger, die anderen mehr“ , weiß Angela Grundmann. Bei letzteren kann es zu einer „Kettenreaktion“ kommen: Die Unruhe des Patienten überträgt sich auf den Zahnarzt, wodurch der Patient noch mehr verkrampft. „Die Folge: Beide Seiten stehen unter großem Stress.“ So begab sich Angela Grundmann auf die Suche nach einer Methode, die dabei hilft, die Angst schon vor der Behandlung abzubauen: „Und hierbei stieß ich auf die Hypnose.“
Zunächst musste die erfahrene Zahnärztin selbst einige Vorbehalte überwinden. „Als Naturwissenschaftlerin sträubte ich mich zunächst dagegen, zu glauben, dass es funktioniert“ , bekennt die 44-Jährige. Schließlich nimmt der Hypnotiseur mit seinen Befehlen direkten Einfluss auf das Unterbewusstsein des Patienten. So kann er beispielsweise eine Blutung binnen kürzester Zeit stoppen. „Andererseits bleibt der Patient stets Herr der Lage, kann sich jederzeit aus diesem Zustand lösen, wenn er das will“ , versichert Angela Grundmann. „Man wird einen Patienten unter Hypnose nie dazu bewegen können, etwas zu tun, was ihm selbst schadet.“
Doch dies ist ja auch nicht das Ziel der Behandlung - im Gegenteil. Sylvia Funke empfand ihren Zustand als „angenehm, von allen Problemen losgelöst“ . Sie merkte zwar, dass in ihrem Mund etwas passierte, verspürte aber keine Schmerzen - und das alles ohne jede Narkose. „Ich bin sicher, dass ich künftig mit weitaus weniger Angst zum Zahnarzt gehen werde“ , freut sie sich.

Tag der Sanftheit
Angela Grundmann ist eine von bislang nur wenigen Zahnärztinnen und Zahnärzten der Region, die Behandlungen unter Narkose anbieten. „Für die Weiterbildung muss man schon ziemlich viel Zeit investieren“ , erklärt sie. Die Löbauerin ist Mitglied der Deutschen Gesellschaft für zahnärztliche Hypnose, die den 18. Oktober zum „Tag der sanften Zahnbehandlung“ erklärt hat. „An diesem Tag haben wir bundesweit darauf aufmerksam gemacht, dass ein Zahnarztbesuch nicht unbedingt von Angst und Stress geprägt sein muss“ , erklärt sie. Eine Erfahrung, für die Patienten wie Sylvia Funke sehr dankbar sind.