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Wolfgang Voigt malt sich sein Leipzig

Für die einen sind Teller, Krüge und Vasen mit Leipzigbildern Kitsch, für andere liebevolle Erinnerungen. Und genau für die Touristen hat Wolfgang Voigt (59) bisher über 1000 Leipziger Andenken-Motive entworfen. Von thomas gillmeister

Auf den unverwechselbaren Stil des Marathon-Malers schwören inzwischen auch andere Städte in ganz Deutschland.
Immer wieder samstags zieht es ihn in die Stadt hinaus. Seinen altertümlichen selbst gebauten Stand "Leipziger Ansichten gestern und heute" hat er zerlegt in zwei Koffern verstaut. Er fährt nicht etwa mit einem Caravan in die City, sondern bodenständig mit der Bimmel. Mit fünf offiziellen Genehmigungen von Ämtern in der Tasche, darf er am Schillerpark sehr frei nach Goethe "Mein Leipzig mal ich mir" Werbung für die Stadt machen. Auf Papier und Porzellan verewigt er Leipzig aus seiner Sicht für sich gern an die Messestadt erinnernde Touristen. Er genießt den Kontakt zu ihnen, da er die Woche über allein daheim im stillen Kämmerlein arbeitet. Bescheiden ist es, so wie der Maler selbst. Bis zu zwölf Stunden pro Tag sitzt er im kleinen Wohnzimmer und zeichnet an der herabgeklappten Schranklade einer alten bulgarischen Schrankwand, nimmt Aufträge bewusst altmodisch pe r Telefon an.
Nach der Wende verlegte der gelernte Gebrauchswerber sein Atelier zunächst meist nach draußen. "Ich wollte einfach die neue Freiheit nutzen. Deshalb machte ich mich selbstständig und malte am Völkerschlachtdenkmal drauf los", erinnert er sich. Seine Bilder wurden ihm von den Touristen unter den Händen fortgekauft. Übrigens genau so zeitweise in Salzburg am Dom oder in Mailand auf dem Marktplatz. "Viele Künstler sind sich für die Souvenir-Malerei aber zu fein und leben, wenn es ihnen finanziell schlecht geht, lieber von Sozialhilfe", weiß Wolfgang Voigt. Seine Kunden erfreuen sich jedoch an der volkstümlichen Gebrauchskunst. Inzwischen wird die Voigtsche Handschrift in ganz Deutschland geschätzt.
Und das kam so: Die sächsische Firma "Uhlig-Präsente" bringt für Städte, Gemeinden, Feuerwehren, Vereine und für die Bundeswehr Teller, Krüge, Vasen und andere Erinnerungsstücke heraus. Jeweils bedruckt mit einem eigenständigen Motiv. "Nun sah die Feuerwehr X bei der Feuerwehr Y einen von mir gestalteten Teller und wollte Ähnliches", erzählt Wolfgang Voigt. Mittlerweile entwarf er für mehr als 5000 verschiedene Wehren Motive für Präsente. Über mangelnde Aufträge kann sich der Leipziger nicht beklagen.