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| 03:01 Uhr

Wo die Götter dämmern und der Hirsch röhrt

Zu einer Fachregierungserklärung trat Kunstministerin Sabine von Schorlemer (parteilos) neulich ans Pult im Dresdner Landtag. So eine Erklärung ist meist ein langer, langer Text mit der Kernbotschaft, dass alles super läuft.

Beispiel Kunst und Kultur: Super Kunst in Sachsen, super Leute haben wir da, die großartige Arbeit leisten, viel ist erreicht worden, wagen wir zum Schluss noch einen Ausblick in die Zukunft, da stehen die Chancen auch super, in diesem Sinne: Packen wir's an, vielen Dank, meine sehr verehrten Damen und Herren.

So klingen Fachregierungserklärungen eigentlich immer. Spannend ist das nie, weshalb das Publikum nebenbei ganz ungeniert auf den Bänken rumschwatzt. Inhaltlich die einzige Abwechslung bietet Finanzminister Georg Unland (CDU), bei dem ist der Ausblick in die Zukunft grundsätzlich schlecht. Weil Geldberge abschmelzen und Sonderbedarfszuweisungen langfristig ausbleiben, sodass mehr gespart werden muss.

Aber darum soll es hier nicht gehen, hier geht es jetzt wirklich mal um die sächsische Kultur. Ministerin Schorlemer sprach daselbst von den 20 Theatern und Kulturorchestern, von Amateurtheatern und Chören. Sie erwähnte die 400 Museen und 450 Bibliotheken im Lande sehr lobend. Doch hören wollten alle nur das eine: Diese unappetitliche Intendanten-Geschichte, die "Götterdämmerung an der Semperoper", das "Dorny-Desaster".

Gemeint ist ebenjene Dreiecksgeschichte um eine Ministerin, einen Intendanten und einen Dirigenten, bei der am Ende einer wegtreten muss. Die Geschichte wurde Ende Februar an der Semperoper einmalig aufgeführt, wird aber immer noch rege besprochen.

Schorlemer enttäuschte ihr Publikum nicht: "Wenn jemand mit einer Option Alles oder Nichts an mich herantritt und diese mit unangemessenen und unrealistischen Forderungen und Fristsetzungen verbindet", stellte die Ministerin klar, "dann spricht dieses Vorgehen meines Erachtens für sich selbst."

Diese klassisch römische Sentenz ließe sich auch als Arie singen. Jetzt fängt das schöne Frühjahr an, und alle machen wieder, was sie dann halt so machen. Der Linke Dietmar Pellmann zieht im Frühjahr gern die Stiefel an und geht auf Millionärsjagd. Abgesehen hat es der Landtagsabgeordnete auf die Einkommensmillionäre. Die vermehren sich in Sachsen gut, da macht die Jagd von Jahr zu Jahr mehr Spaß.

Exakt 108 Einkommensmillionäre hat Pellmann diesmal in Sachsen aufgespürt, das gab er vergangene Woche ganz jägerstolz bekannt. Als alter Hase im Geschäft weiß er eben, wo man sich auf die Lauer legen muss. Die kapitalsten Hirsche röhren in Dresden, da kamen ihm gleich 25 vor die Flinte.

Was macht nun der Linke mit seinem Fang? Haut er ihn in die Pfanne zur Speisung der Armen? Nicht ganz, er winkt nur bedrohlich mit der Forderung nach der Wiedereinführung der Vermögenssteuer.