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| 02:53 Uhr

Wo bleibt die Dresdner Woba?

Wohnungen zu bezahlbaren Preisen werden in Dresden dringend gebraucht. Ein neues städtisches Wohnungsbau-Unternehmen soll sich dafür einsetzen. Die geplante Gründung platzte zunächst.
Wohnungen zu bezahlbaren Preisen werden in Dresden dringend gebraucht. Ein neues städtisches Wohnungsbau-Unternehmen soll sich dafür einsetzen. Die geplante Gründung platzte zunächst. FOTO: dpa
Dresden. Den Verlust von 48 000 städtischen Wohnungen an einen Investor vor elf Jahren hat Dresden nie verwunden. Jetzt soll eine neue Wohnungsbau-Genossenschaft her. Doch die Geburt zieht sich hin. Christine Keilholz / ckz1

Das neue städtische Wohnungsbau-Unternehmen sollte im März gegründet werden. Diesen Termin kann die Stadt nicht halten. In einer Sonderausschusssitzung des Stadtrats am Montag stellte sich heraus, dass viele wichtige Fragen für die neue "Woba" noch offen sind. Geklärt werden müssen noch Rechtsform und Finanzierung. Ursprünglich sollte die Gesellschaft in der heutigen Stadtratssitzung beschlossen werden. Nun kann sich das Verfahren bis in den Herbst ziehen.

Die neue Gesellschaft ist ein Herzensprojekt der rot-grün-roten Stadtratsmehrheit. Die hatte sich fest vorgenommen, den aus ihrer Sicht schwersten Fehler im Dresdner Wohnungsbau rückgängig zu machen. 2006 hatte die Stadt die Woba Dresden GmbH verkauft an die Investmentgesellschaft "Fortress Investment Group". Der Deal war für die Stadt ein finanzpolitischer Coup - sie wurde auf einen Schlag ihre Schulden los und konnte sich fortan als erste schuldenfreie Großstadt Deutschlands fühlen.

Doch damit gingen 48 000 bis dahin kommunale Wohnungen in private Hand über. Danach gab es immer wieder Ärger. Es ging um Investitionsstau an den Häusern, undichte Fenster und um Beschwerden über rüden Umgang der neuen Eigentümer mit den Mietern.

Inzwischen befindet sich der Woba-Bestand mehrheitlich im Besitz der Gagfah-Gruppe. Im Jahr 2011 verklagte die Stadt die Gagfah, 2012 endete das Verfahren mit einem Vergleich. Durch alle politischen Lager herrscht längst Konsens darüber, dass der Verkauf der Woba vor elf Jahren ein Fehler war.

Zumal Wohnungen in der Landeshauptstadt ohnehin knapp werden. Die Schätzungen über Leerstände gehen zwar auseinander. Der Mietpreis spricht aber eine deutliche Sprache. Von 2015 bis 2016 stieg die mittlere Vergleichsmiete in Dresden von 5,70 Euro pro Quadratmeter auf 6,09 Euro.

Diese Erhöhung um fast sieben Prozent ist nach Worten der Sozialbürgermeisterin der Linken, Kristin Kaufmann, "der höchste Anstieg innerhalb der letzten zehn Jahre". Die 40-jährige Beigeordnete sieht in den Zahlen den Beleg dafür, "dass es immer weniger preiswerte Wohnungen in Dresden gibt", sagte sie bei der Vorstellung des Mietspiegels für 2017 im Dezember.