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| 01:38 Uhr

Wissenschaftsräume stoßen auf Widerstand

Ministerin Schorlemer erntet reichlich Schelte. Foto: dpa
Ministerin Schorlemer erntet reichlich Schelte. Foto: dpa FOTO: dpa
Dresden. Für ihren Vorstoß, Sachsens Forschungslandschaft in die drei Wissenschaftsräume Leipzig, Dresden und Chemnitz-Freiberg zu untergliedern, erntet Ministerin Sabine von Schorlemer (parteilos) reichlich Kritik. Und das nicht nur von der Opposition, sondern besonders vom liberalen Koalitionspartner FDP. Von Sven Heitkamp

Deren Hochschulpolitiker Andreas Schmalfuß geht deutlich auf Distanz zum ministeriellen Vorhaben. “Wissenschaft kennt keine Grenzen„, betont der Dozent an der Berufsakademie in Leipzig. Bei Zukunftsthemen wie der Nanotechnologie und der Elektromobilität gebe es längst Kooperationen verschiedener Regionen. “Willkürlich gezogene, regionale Grenzen„ durch ein neues, fiktives Konstrukt drohten die Entwicklung der Hochschul- und Forschungslandschaft nur zu behindern.

“Sachsen ist ein einheitlicher Wissenschaftsraum, der auch international vermarktet werden muss Schorlemers sinnvolle Absichten könnten besser durch die Hochschulentwicklungsplanung und durch Zielvereinbarungen umgesetzt werden, so Schmalfuß.Auch die geplanten Koordinatoren seien nicht erforderlich. Partner in Wirtschaft und Wissenschaft könnten sich auf direktem Wege schneller vernetzen. Schmalfuß' ungewöhnlich scharfe Einlassung hat bereits zu Verstimmungen in der Koalition geführt. Das Thema sorgt -neben anderen Streitthemen wie die ungeklärte Nachfolge des Stasi-Beauftragten - für einen weiteren Riss im schwarz-gelben Regierungsbündnis. Schorlemer will die vier Universitäten und die außeruniversitären Forschungsinstitute sowie die Wirtschaft in den drei Regionen stärker miteinander vernetzen. Sie sollen die gemeinsame Nutzung von Infrastruktur und Wissen weiter voranbringen, die wissenschaftliche Exzellenz am Standort erhöhen - und nicht zuletzt Einsparmöglichkeiten finden. Schließlich müssen in den nächsten Jahren Hunderte Stellen an den Hochschulen gestrichen werden - eine Aufgabe, die weder die Rektoren noch das Ministerium allein verantworten wollen. Schmalfuß ist dabei nicht der einzige Kritiker. SPD-Hochschulexperte Holger Mann moniert, die Wissenschaftsräume könnten allenfalls ein kleiner Baustein in einem größeren Konzept für Sachsens Hochschullandschaft sein, das endlich vorgelegt werden müsse. Zwar könnten regionale Gesprächskreise für den jeweiligen Standort hilfreich sein. Sie seien aber keine Antwort auf die Realitäten des internationalen Wissenschafts-Lebens. Zudem sei Schorlemers Grundannahme, dass die Studentenzahlen deutlich zurückgehen werden und Hochschul-Stellen abgebaut werden müssten, mehr als fraglich. Zurückhaltend äußert sich auch Grünen-Politiker Karl-Heinz Gerstenberg: “Wissenschaftsräume können eine sinnvolle Ergänzung der Hochschulsteuerung sein. Ein Patentrezept sind sie aber nicht.„ svh1