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| 09:32 Uhr

Wie Gulliver im Zwergenland

In der ältesten Miniaturschauanlage Deutschlands, im Klein-Erzgebirge Oederan, betrachten Besucher das Jagdschloss Moritzburg en miniature. Rund 170 Attraktionen der Region wie Burgen, Schlösser, Kirchen und Fachwerkhäuser im Maßstab 1:25 sind hier zu besichtigen.
In der ältesten Miniaturschauanlage Deutschlands, im Klein-Erzgebirge Oederan, betrachten Besucher das Jagdschloss Moritzburg en miniature. Rund 170 Attraktionen der Region wie Burgen, Schlösser, Kirchen und Fachwerkhäuser im Maßstab 1:25 sind hier zu besichtigen. FOTO: ZB
Wer durch den Miniaturpark Klein-Erzgebirge in Oederan schlendert, kommt sich wie Gulliver im Zwergenland vor. In Kniehöhe stehen Burgen, Schlösser, Kirchen und Fachwerkhäuser von diesseits und jenseits des sächsisch-böhmischen Gebirges. Von Berthild Dietrich

Zu Füßen des Spaziergängers rauschen Bächlein, klappern Wasserräder, fallen Schüsse und Karl Stülpner huscht durchs Gebüsch. Das Klein-Erzgebirge zeigt rund 170 Attraktionen der Region im Maßstab 1:25, eingebettet in heimische Fauna und Flora. Der Park in der Kleinstadt zwischen Chemnitz und Freiberg feiert in diesen Tagen seinen 50. Geburtstag.
Zwei prall gefüllte Festwochen warten seit gestern auf die Jubiläumsgäste. So gibt es eine "Nacht im Klein-Erzgebirge", in der hunderte Lichter und Schwimmkerzen, angestrahlte Miniaturen und Musik dem Park romantische Stimmung einhauchen. Eine Sonderschau bietet Einblicke in die Geschichte des Klein-Erzgebirges, das bereits am 21. Mai 1933 im früheren Stadtwald seine Tore öffnete, im Krieg geschlossen wurde und erst 1955 wieder eröffnet werden konnte.
"Allererstes Modell war das Schloss Purschenstein in Neuhausen, das wir auch heute noch zeigen", berichtet der Geschäftsführer des Klein-Erzgebirges, Horst Drichelt. Aus alter Zeit seien auch noch die Wehrkirche Lauterbach und ein Wohnhaus aus Pfaffroda zu sehen.
Das heutige von einem Verein getragene Klein-Erzgebirge empfing am 28. August 1955 wieder die ersten Besucher. Zu sehen waren die Miniaturausgaben des Fichtelbergs und der "Krone des Erzgebirges", die Augustusburg. "Die Anlage ist seit der Wiedereröffnung im Stadtpark und somit zentraler gelegen", sagt Drichelt.
Die "Häuselbauer" des Vereins haben in den vergangenen 50 Jahren fleißig Hand angelegt und in hunderten Stunden akribisch viele neue Sehenswürdigkeiten ihrer Heimat in Holz nachgebaut: so das Stülpner-Haus, das Geburtshaus von Karl May, das Wasserschloss Klaffenbach oder die Kirche im tschechischen Most. "Gegenwärtig bauen wir die Greifensteine und das Berghaus am Keilberg nach", sagt Drichelt. Mehrere hundert geschnitzte "Männel", viele davon beweglich, sorgen für Abwechslung im Mini-Alltag.
Der Verein Klein-Erzgebirge zählt etwa 50 Mitglieder, das Jüngste ist 14 Jahre alt, das Älteste, eine Frau, über 80. Von ihnen wird in der Wintersaison, wenn Ende Oktober die Holzbauten mit einer Häuserabfahrt ins Trockene kommen, so manches Stück ausgebessert, überholt oder erneuert. Zur "Häuseranfahrt", um Ostern herum, sei dann alles wieder picobello. "Das Klein-Erzgebirge hat seine eigene Sprache", beschreibt Drichelt die Besonderheiten der Oederaner Anlage. Sie will nicht nur touristische Tipps geben, sondern auch Geschichten erzählen. So weist seit vergangenem August eine Szene auf die Hochwasserflut vom Sommer 2002 hin. "Wir haben die Zerstörung von Flöha durch die wild gewordene Flöha dargestellt", sagt der Geschäftsführer. "Eigentlich hätten wir unsere eigenen Schäden nachbauen kö nnen. Wir konnten gerade noch so alle Häuser bergen."
Im Klein-Erzgebirge war damals für eine Woche quasi "Land unter". Der über die Ufer getretene Hetzbach hatte das 12 000 Quadratmeter große Gelände des Miniaturparks mit Schlamm verwüstet. "Dank vieler Menschen haben wir das überstanden. Zum Glück wächst auch die Zahl der Besucher wieder. Sie mögen uns Sachsen, sie mögen das Erzgebirge und das Klein-Erzgebirge dazu".
Hinweise im Internet www.klein-erzgebirge.de