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| 16:21 Uhr

Erste Schritte im Freigehege
Weiter Sorgen um den kleinen Leipziger Elefanten

 Erste Schritte im Freien.
Erste Schritte im Freien. FOTO: ZB / Sebastian Willnow
Leipzig . Noch immer bangen die Pfleger im Leipziger Zoo um ihren kleinen Elefanten. Die Situation um den jungen Bullen ist noch immer angespannt, auch weil ihn seine Mutter ablehnt.

Von der Mutter abgelehnt, aber liebevoll von den Tanten beschützt: Acht Wochen nach seiner Geburt ist der kleine Elefant im Leipziger Zoo am Freitag erstmals auf Erkundungstour in dem großen Elefantengehege gegangen. Mehrere Hundert Besucher verfolgten die ersten Schritte des kleinen Bullen an der Seite seiner beiden Tanten Don Chung und Rani sowie der Tierpflegern. Die Mutter Hoa kümmert sich nicht um den Kleinen und ist nach wie vor eine Gefahr für das junge Kalb. Auch der Gesundheitszustand bereitet dem Zoo noch Sorgen. „Wir sind noch nicht über dem Berg. Das Risiko ist noch immer hoch“, sagte Zoodirektor Jörg Junhold.

 Jetzt schon ein Star
Jetzt schon ein Star FOTO: ZB / Sebastian Willnow

Noch immer ohne Namen

Die ersten Schritte des jungen Elefanten, der noch keinen Namen hat und von den Tierpflegern wie seine Mutter Hoa gerufen wird, sind beim Premierenausflug noch etwas unsicher. Er stellt sich in den Schatten der beiden riesigen Tanten und beginnt dann langsam die Umgebung zu erkunden. Mit dem Rüssel ertastet er Baumstümpfe, die Steine in den Mauern, den Boden der Anlage und greift in einen roten Eimer. Alles ist neu für den Kleinen. Die Menschenmenge, die ihn bei seiner ersten Tour genauestens beobachtet, scheint ihn aber nicht zu stören.

 Anfang März: Mitarbeiter des Zoos machen das sechs Wochen alte Elefantenkind mit den Elefantenkühen Don Chung und Rani vertraut. Da sich Mutter Hoa seit der Geburt des Kalbs nicht um das Tier kümmere, solle es Anschluss an Tanten finden.
Anfang März: Mitarbeiter des Zoos machen das sechs Wochen alte Elefantenkind mit den Elefantenkühen Don Chung und Rani vertraut. Da sich Mutter Hoa seit der Geburt des Kalbs nicht um das Tier kümmere, solle es Anschluss an Tanten finden. FOTO: dpa / -

Erster Ausflug ins Freie

Der Zoo hatte bewusst diesen Freitag für den ersten Freigang gewählt und sich sogar mit dem Wetterdienst abgestimmt. Bei frühlingshaften Temperaturen und Sonnenschein durfte der kleine Bulle so die ersten Schritte wagen. „Die Sonne ist für einen so jungen Organismus extrem wichtig. Die UV-Strahlen helfen beim Knochenwachstum“, erläuterte Zootierarzt Andreas Bernhard.

 Ein Zaun als Schutz bei der Familienzusammenführung: Der kleine Elefantenbulle, der am 25. Januar geborenwurde, nimmt Kontakt auf mit der Elefantenkuh Rani.
Ein Zaun als Schutz bei der Familienzusammenführung: Der kleine Elefantenbulle, der am 25. Januar geborenwurde, nimmt Kontakt auf mit der Elefantenkuh Rani. FOTO: dpa / Zoo Leipzig

Mutter ist nicht dabei

Seine Mutter Hoa ist bei dem ersten öffentlichen Auftritt nicht dabei. Sie hat den Elefantenbullen, der am 25. Januar im Leipziger Zoo geboren wurde, abgelehnt und stellt derzeit noch eine Gefahr für ihn dar. Sie produziert auch keine Milch mehr. „Wir füttern den Kleinen mit Ersatzmilch aus der Flasche. Das ist bei asiatischen Elefanten bisher aber nur schlecht gelungen“, erklärte Zootierarzt Bernhard. Trotzdem habe der junge Elefant nun das Geburtsgewicht von 108 Kilogramm fast wieder erreicht. Der Tiefstwert lag bei 98 Kilogramm. Erst in einigen Monaten soll der kleine Bulle mal eine Banane oder einen Apfel bekommen.

Ziel ist eine intakte Elefantenherde

 Schwieriges Unterfangen: Nur unter Aufsicht der Pfleger kann sich der Kleine seiner Mutter nähern, um bei ihr zu trinken.
Schwieriges Unterfangen: Nur unter Aufsicht der Pfleger kann sich der Kleine seiner Mutter nähern, um bei ihr zu trinken. FOTO: ZB / ---

Erstmals erklärte der Zoodirektor am Freitag auch warum sich der Zoo, trotz der schwierigen Vorgeschichte um Elefantenkuh Hoa erneut für eine Schwangerschaft entschieden hatte. „Das Ziel ist eine intakte Elefantenherde. Dafür braucht es Jungtiere, an die sich die älteren Tiere auch gewöhnen müssen“, erklärte Junhold. Das letzte Jungtier wurde im Zoo Leipzig im Jahr 2002 geboren.

Zwar sollen der Jungbulle und seine Tanten regelmäßig in das Freigehege gelassen werden. „Die Zeitfenster, in denen das Kalb auf der Freianlage zu sehen sein wird, werden wir tagesaktuell an unseren Informationsstellen bekanntgeben. Wir bitten um Verständnis, dass das Jungtier aufgrund von schlechter Witterung oder ungünstiger Herdensituation nicht jederzeit draußen auf der Anlage zu beobachten sein wird“, betonte Zoodirektor Junhold.

Nächste Dame ist schwanger

Dann hatte der Zoodirektor auch noch eine Überraschung parat. Er verkündete, dass die neun Jahre alte Rani, die sich derzeit um den kleinen Bullen kümmert, ebenfalls trächtig sei und sich der Zoo im Frühjahr 2020 erneut über Nachwuchs freuen könne. „So kann Rani bereits jetzt Erfahrungen im Umgang mit einem Elefantenkalb machen.“

(dpa)