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| 18:59 Uhr

Sachsen
Was Sachsens Sorben bewegt

Michael Kretschmer will mit den Sorben „gemeinsam an neuen Ideen“ arbeiten.
Michael Kretschmer will mit den Sorben „gemeinsam an neuen Ideen“ arbeiten. FOTO: dpa / Monika Skolimowska
Bautzen. Ministerpräsident Kretschmer besucht Bautzen – Sorge um Sprache und Identität prägen die Debatte. Von epd

„Dobry wjacor“ ruft Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) über den Platz, das „Guten Abend“ sitzt. Vor dem Haus der Sorben in Bautzen empfangen ihn am Mittwochabend Vertreter des sorbischen Dachverbandes Domowina, darunter der Vorsitzende David Statnik.

Seit Wochen reist Kretschmer mit seinem Kabinett oder Vertretern der Ministerien zu den „Sachsengesprächen“ durchs Land. Er will wissen, was die Leute bewegt und was sie bewegen wollen. Nach der Bundestagswahl, bei der die Sachsen-CDU herbe Verluste hinnehmen musste und Kretschmer selbst seinen Görlitzer Wahlkreis an den AfD-Mann Tino Chrupalla verlor, muss Vertrauen zurückgewonnen werden. 2019 ist in Sachsen Landtagswahl.

Die Landesregierung hat mit den „Sachsengesprächen“ inzwischen acht der zehn sächsischen Landkreise besucht, die großen Städte folgen noch. Die Sorben bekommen eine extra Runde. Sie haben ihn eingeladen. Gut 100 Teilnehmer sind ins Serbski Dom (Haus der Sorben) gekommen. „Dieser Abend ist für Fragen des sorbischen Volkes“, sagt Statnik.

Kretschmer betont, dass er „gemeinsam an neuen Ideen arbeiten will“. Neben Kunst und Theater brauche es auch „ganz moderne Dinge“, zum Bespiel Spitzentechnologie – ein Institut für Hightech, in dem vorwiegend Sorbisch gesprochen wird. Kretschmer nennt das „hip“. Er wünsche sich eine Diskussion „klar in der Sache, anständig im Ton“, betont er noch zur Eröffnung. Danach verteilen sich die Politiker auf mehrere Gesprächsrunden. Die Sorben haben viele Fragen, diskutieren munter drauf los, in Sorbisch und Deutsch, der Abend ist zweisprachig.

Ein Thema brennt der Minderheit in der Oberlausitz besonders unter den Nägeln: die Sorge um ihre Sprache und Identität. Im sorbischen Siedlungsgebiet fehle es an Lehrern. Es gebe zu wenige Muttersprachler, die als Sorbischlehrer tätig sind, heißt es immer wieder. Nicht die fehlenden Schüler seien das Problem, sondern die fehlenden Lehrer. Dabei brauche es „eine gewisse Präsenz der Sprache im Alltag“, sagt Statnik.

Um Kretschmer haben sich zudem gleich mehrere Vertreter der Initiative „Serbski sejm“ versammelt, die für die geschätzten rund 60 000 Sorben und Wenden in Sachsen und Brandenburg ein eigenes Parlament anstreben. Andreas Kluge von der Initiative will eine „Statusverbesserung“ für die Minderheit. Derzeit werden deren Interessen über den Bund Lausitzer Sorben Domowina vertreten. Er selbst hätte das Thema nicht angesprochen, sagt der Ministerpräsident. Er sei kein Sorbe, ein Urteil stehe ihm nicht zu. Aber dann betont er: „Ich bin mit der jetzigen Struktur sehr zufrieden.“ Den „Mehrwert“ eines sorbischen Parlamentes erkenne er nicht. Auch Statnik hält dagegen: Es gehe nicht darum, die Frage nach einer neuen Vertretung zu stellen, sondern die Fragen überhaupt zu stellen, sagt er. Wichtig sei ihm die Gleichwertigkeit der sorbischen Minderheit.

Im Plenum gibt es dann noch weitere Ideen, zum Beispiel die für ein sorbisches Nationalmuseum. Der Staatssekretär im Wissenschafts- und Kunstministerium, Uwe Gaul, verspricht, sie mitzunehmen und weiterzudenken. Kretschmer unterstreicht noch einmal: „Wir müssen uns ganz besondere Dinge ausdenken – vor allem für junge Leute.“ Zum Abschied gibt es für die Vertreter der Landesregierung noch Bücher aus dem sorbischen Verlag - auf Deutsch. Wenn es nicht gefällt, gebe es nur eines, sagt Statnik: „Wiederkommen, und dann bekommen sie ein neues Buch.“