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| 19:08 Uhr

Metallerarbeitskampf im sächsischen Bautzen
Warnstreik vor Bombardier-Toren

Rund 200 Bombardier-Beschäftigte demonstrierten gestern vor den Werkstoren in Bautzen für ihre Forderungen.Unter anderem geht es ihnen um eine Lohnangleichung an das West-Niveau.   
Rund 200 Bombardier-Beschäftigte demonstrierten gestern vor den Werkstoren in Bautzen für ihre Forderungen.Unter anderem geht es ihnen um eine Lohnangleichung an das West-Niveau.   FOTO: Uwe Menschner
Bautzen. IG Metall und Beschäftigte machen in Bautzen Druck in den Tarifverhandlungen. Von Uwe Menschner

Die derzeitige Warnstreikwelle der IG Metall hat jetzt auch die Oberlausitz erreicht. Am vergangenen Donnerstag waren die Beschäftigten der Bombardier Transportation GmbH in Bautzen aufgerufen, für eine halbe Stunde vor das Werks­tor zu kommen und für die Forderungen im Rahmen der aktuellen Tarifverhandlungen einzutreten. Etwa 200 Mitarbeiter folgten diesem Ruf. Schon seit Wochen rollt die Streikwelle durch Sachsen, bislang zumeist in den großen Zentren der Metallindustrie wie Chemnitz oder Leipzig.

Jetzt also bei Bombardier in Bautzen. „Wir kämpfen zurzeit an mehreren Fronten, die wir nicht miteinander vermischen wollen“, machte der Betriebsratsvorsitzende Gerd Kaczmarek zum Auftakt deutlich. „Hier und heute geht es um die Tarifverhandlungen 2018 in unserer Branche.“ Die Kernforderungen der IG Metall beinhalten sechs Prozent mehr Lohn und eine Wahloption auf Reduzierung der Arbeitszeit auf bis zu 28 Stunden pro Woche. Diese Option soll für bis zu 24 Monate wählbar sein und „mehr Selbstbestimmung bei der Arbeitszeit ermöglichen“, wie der erste Vorsitzende der IG Metall, Jörg Hoffmann, bei der Verabschiedung der Tarifforderungen erklärt hatte. „Die Flexibilisierung der Arbeitszeit in den Betrieben darf nicht weiter einseitig zulasten der Beschäftigten gehen, sie muss ihnen auch nutzen“, so Hoffmann weiter.

„Wir verlieren aber auch die innerbetrieblichen Probleme nicht aus dem Auge und werden auch weiter für die Zukunft unseres Werks kämpfen“, so Gerd Kaczmarek. Die Arbeitgeber, so der Betriebsratschef, sollten den Fachkräftemangel nicht nur beklagen, sondern ihm aktiv entgegentreten: „Das funktioniert nur durch Ausbildung und Qualifikation!“

In gewohnt kämpferischer Manier präsentierte sich der erste Bevollmächtigte der IG Metall Ostsachsen, Jan Otto. „Auch wenn wir gegenwärtig in Ostsachsen viele Hiobsbotschaften hören, ist die Grundstimmung in der Wirtschaft positiv. Die Frage lautet: Wer kassiert das Erwirtschaftete ein? Die Beschäftigten offenbar nicht. Sie sollen mit zwei Prozent abgespeist werden.“ Und der Einstieg in eine Verkürzung der Arbeitszeit scheine für die Arbeitgeber ein „absolut nicht gangbarer Weg“ zu sein. Zudem sei es unverständlich, warum „wir in Ostsachsen für das gleiche Geld noch immer drei Stunden länger in der Woche arbeiten.“ Otto erinnerte auch an die „Kollegen in Görlitz oder Niesky, die derzeit um ihre Arbeitsplätze bangen“, und beschwor die Solidarität der Beschäftigten untereinander.


Ein kurzes Video mit der Rede des Gewerkschafters Jan Otto finden Sie unter www.lr-online.de/video