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| 20:07 Uhr

Sachsens FDP startet in den Wahlkampf
Holger Zastrow: „Ich werde nerven“

 Holger Zastrow will es nochmal wissen: Er will Sachsens FDP wieder in den Landtag führen, aus dem sie vor fünf Jahren rausgeflogen ist.
Holger Zastrow will es nochmal wissen: Er will Sachsens FDP wieder in den Landtag führen, aus dem sie vor fünf Jahren rausgeflogen ist. FOTO: dpa / Robert Michael
Dresden. Vor fünf Jahren flog Sachsens FDP aus dem Landtag. Jetzt will sie wieder rein. Mit schmissigen Botschaften und einem alten Bekannten. Von Christine Keilholz

Sie sind die Wackelkandidaten in diesem Wahlkampf. Gestern präsentierten sie ihre Kampagne in Dresden. Mit dem Slogan „Für ein Land, in dem mehr geht als anderswo“ will die FDP am 1. September wieder in den Landtag einziehen, aus dem sie 2014 herausgewählt wurde.

Das Comeback soll gelingen mit bewährtem Personal. Der Landesvorsitzende Holger Zastrow will es nochmal wissen, er führt die FDP auch diesmal als Spitzenkandidat an. Dabei ist der 50-jährige Werbekaufmann aus Dresden an der Spitze der Partei nicht unumstritten. Seit 1999 lenkt Zastrow die Geschicke des Landesverbands, der zurzeit 2000 Mitglieder hat. Unter seiner Führung ging die FDP 2009 ein Regierungsbündnis mit der CDU ein, das sie aber nicht glücklich machte. Neben der übermächtigen Union gingen die Liberalen kläglich unter. Die Koalition endete 2014, als die FDP gleich ganz aus dem Landtag flog. Das niederschmetternde Ergebnis: 3,8 Prozent.

Viele in der Partei wünschten damals den personellen Neuanfang - doch ganz ohne Zastrow wollte die FDP dann doch nicht. Immer wieder konnte er seine internen Konkurrenten ausstechen, sodass er nach 20 Jahren noch immer an der Spitze steht. Die großflächigen Plakate zur Landtagswahl zeigen nun einmal mehr Zastrows enschlossenes Konterfei. Dazu gängige liberale Forderungen nach mehr Eigenverantwortung und mehr unternehmerischer Freiheit. „Wir sind keine Salonliberalen, sondern Macher“, sagte Zastrow jüngst in einem Interview.

Ob das Comeback gelingt, ist keineswegs sicher. Die letzten Umfragen sehen sie bei fünf Prozent, bei der Europawahl im Mai wählten nur 4,7 Prozent die Liberalen. Zwischenzeitlich konnte die Partei kleine Erfolge verbuchen, so kletterte sie bei der Bundestagswahl 2017 auf über acht Prozent.

In den fünf Jahren, die die FDP außerparlamentarisch Opposition machte, hat sich die sächsische Parteienlandschaft verändert. Jetzt ist eine AfD da, die bürgerliches Protestwähler-Potenzial einsammelt. Das war sonst immer für Zastrow eine sichere Stimmen-Ressource. Semi-nationale Töne, wie sie noch in früheren Wahlkämpfen aus der FDP zu hören waren, dürften diesmal wenig bringen. Stattdessen setzt der Spitzenkandidat auf sein Bollerkopf-Image: „Ich werde kämpfen, laut sein, die anderen damit nerven, daraufzugucken, was mit dem Mittelstand passiert.“

 Holger Zastrow will es nochmal wissen: Er will Sachsens FDP wieder in den Landtag führen, aus dem sie vor fünf Jahren rausgeflogen ist.
Holger Zastrow will es nochmal wissen: Er will Sachsens FDP wieder in den Landtag führen, aus dem sie vor fünf Jahren rausgeflogen ist. FOTO: dpa / Robert Michael