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| 12:30 Uhr

Kultur
DDR-Kunst in Dresdner Ausstellung

Im Dresdner Albertinum öffnet im Juni eine große Ausstellung ostdeutscher Kunst.
Im Dresdner Albertinum öffnet im Juni eine große Ausstellung ostdeutscher Kunst. FOTO: dpa / Arno Burgi
Dresden. Seit Monaten steht die Präsenz von DDR-Kunst in Ost-Museen in der Kritik. Nun bereitet auch das Dresdner Albertinum eine große Schau dazu vor – aus eigenem Bestand. dpa/uf

Publikumslieblinge und Unbekanntes: Das Dresdner Albertinum zeigt vor dem Hintergrund des „Bilderstreits“ für ein halbes Jahr Kunst aus der DDR satt. Ab Mitte Juni ist ein ganzer Flügel für „Ostdeutsche Malerei und Skulptur 1949-1990“ (bis 6. Januar 2019) reserviert. Die Ausstellung soll mehr als 150 Werke präsentieren, darunter Geliebtes, Vermisstes oder auch nie Gezeigtes, sagt Museumsdirektorin Hilke Wagner. Damit geben die Staatlichen Kunstsammlungen (SKD) einen Eindruck von der Vielfalt der Kunst, die in 40 Jahren Sozialismus entstand. Hintergrund ist die Kontroverse zum Umgang mit der Kunst aus der DDR, die in Dresden besonders heftig ausgetragen wird.

Dabei kommen auch lange nicht gezeigte Werke wie „Paar am Strand“ (1962) von Walter Womacka oder „Peter im Tierpark“ (1961) von Harald Hakenbeck wieder ins Licht, die einst Publikumslieblinge waren. „Das sind Bilder, mit denen die Menschen emotional verbunden sind“, sagt Wagner. Die Liste prominenter Künstler reicht von Hans Grundig, Theodor Rosenhauer, Hermann Glöckner, Hans Jüchser, Wilhelm Rudolph, Werner Tübke, Wolfgang Mattheuer oder Bernhard Heisig bis zu Hubertus Giebe, Arno Rink oder Cornelia Schleime: „Sie zeugen repräsentativ von der Kunstproduktion in der DDR und deren Vielfalt.“

Die nach Ankaufsjahren geordnete Schau bietet laut Wagner auch einen spannenden Einblick in die Erwerbungspolitik der Galerie Neue Meister und Skulpturensammlung zu DDR-Zeiten und danach. „Ideologie spielte mehr oder weniger hinein, denn es war ja immer auch eine subjektive Entscheidung von Direktoren.“ Das müsse auch kritisch hinterfragt werden. So sei Glöckner in der Nachkriegszeit, aber danach nicht mehr angekauft und erst in den 1980er Jahren wiederentdeckt worden.

Nach Angaben von Wagner sind zudem rückwärtige Ankäufe ausgestellt, um Lücken zu füllen, wie frühe Arbeiten von A.R. Penck, der zu DDR-Zeiten nicht erworben wurde. „Das sind ganz wichtige Werke mit starker Orientierung an den Alten Meistern.“ Auch andere Fehlstellen im Bestand der Kunst aus der DDR werden offenbar – etwa im Bereich Film und Performatives. „Von den Autoperforationsartisten Via Lewandowski und Else Gabriel haben wir gar nichts.“ Die Gruppe veranstaltete von 1985 bis 1989 subversive Performances, die den offiziellen Kunstbetrieb der DDR unterliefen.

In der von Kulturwissenschaftler Paul Kaiser Ende 2017 öffentlich ausgelösten Debatte geht es um die Präsenz von „DDR-Kunst“ in großen ostdeutschen Museen. Unter Verweis auf das Dresdner Albertinum sprach er von „Missachtung“. Die Kontroverse ist in der Elbestadt besonders heftig und reicht bis zur persönlichen Anfeindung der aus dem Westen stammenden Albertinum-Chefin.

„Es geht um die eigene Identität und die Deutungshoheit, was gute Kunst ist“, sagt Politikprofessor Hans Vorländer, Direktor des Zentrums für Verfassungs- und Demokratieforschung an der TU Dresden. Dass Bilder nach 40 Jahren nicht mehr ständig zu sehen sind, werde als „kollektive Demütigung“ empfunden. Mit der Schau wollen die SKD zur unverkrampften Diskussion über das Thema anregen. Dabei sollen auch Künstler zu Wort kommen – und mit Publikum debattieren.