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Vom Hafthaus in den Stasi-Festsaal

Ein Mann geht in der Stasi-Gedenkstätte Bautzener Straße in Dresden durch das Hafthaus der ehemaligen Stasi-Bezirkszentrale.
Ein Mann geht in der Stasi-Gedenkstätte Bautzener Straße in Dresden durch das Hafthaus der ehemaligen Stasi-Bezirkszentrale. FOTO: dpa
Dresden. Es sind entscheidende Jahre für die einstige Stasi-Zentrale des Bezirks Dresden: 1945, 1953, 1989. Sie stehen für das Ende des Zweiten Weltkriegs, die Übergabe des gefürchteten Areals von der Sowjetunion an die DDR und die Erstürmung durch Demonstranten im Herbst 1989. Marius Zippe

Eingraviert sind die Jahreszahlen auf drei Stahlplatten vor dem neuen verglasten Foyer der Stasi-Gedenkstätte. Der Erinnerungsort am Dresdner Elbhang wurde in knapp zwei Jahren für 2,4 Millionen erweitert. Nun öffnen die neuen Räume ab 9. Mai mit einer Festwoche - wegen Bauverzögerungen ein halbes Jahr später als geplant. Die Gedenkstätte stand lange im Schatten der vielen anderen Dresdner Sehenswürdigkeiten. Mit dem Umbau wird sie aufgewertet, denn die Ausstellungsfläche vergrößert sich von knapp 1300 auf gut 3200 Quadratmeter.

Gedenkstätten-Leiterin Uljana Sieber will vor allem mehr Schüler und Touristen gewinnen und den weiteren Ausbau zur Bildungs- und Begegnungsstätte vorantreiben. Bei derzeit gut 15 000 Gästen im Jahr sieht sie noch ein "Riesenpotenzial nach oben".

In den meisten ehemaligen DDR-Bezirksstädten erinnern Museen und Gedenkstätten in früheren Stasi-Gebäuden an den Überwachungswahn. In Dresden übernahm erst Ende der 90er- Jahre ein Verein, dessen Vorsitz mittlerweile der einstige CDU-Oberbürgermeister Herbert Wagner übernahm, die Initiative für eine Gedenkstätte.

Auf dem Gelände der Stasi-Bezirksverwaltung steht deswegen seit vielen Jahren die original erhaltene Untersuchungshaftanstalt für Besucher offen. Sie dokumentiert mit Förderung der Stiftung Sächsische Gedenkstätten, wie vermeintliche und tatsächliche Oppositionelle drangsaliert wurden. Nach Angaben der Dresdner Stadtsprecherin Nora Jantzen stellte das sächsische Wissenschaftsministerium für die Erweiterung 1,96 Millionen Euro bereit, auch aus dem Vermögen ehemaliger Parteien und Massenorganisationen der DDR. Die Stadt als Eigentümer des Gebäudes steuerte 450 000 Euro bei. "Die Opferschicksale sollen mit der Arbeit der hauptamtlichen Stasileute verbunden werden", sagt Sieber.

An erster Stelle kommt der letzte Bezirkschef und Generalmajor des Geheimdienstes, Horst Böhm. Er tötete sich im Februar 1990 selbst. Mit den Originalmöbeln wurde sein Büro wieder aufgebaut. Außerdem wartet das neue Haus mit dem Nachbau des Fluchtflugzeuges von Michael Schlosser auf. Mit diesem wollte er 1983 in den Westen flüchten, doch er wurde verraten und saß in der Dresdner Stasi-U-Haft ein.