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Versingelung und Verpartnerung

Der Sozialausschuss des Sächsischen Landtags behandelt die Probleme, die uns wirklich angehen. Für das Wohl der Kleinsten wird hier gesorgt, für die Pflege der Alten und für Unterstützung der vielen Altersstufen dazwischen.

Da muss abgewogen und entschieden werden. Da werden Empfehlungen für Gesetzentwürfe abgegeben, Hunderte von Berichten gelesen und vor allem viel, viel Post. So flatterte neulich ein Brief auf den Tisch der Ausschussvorsitzenden Heike Werner (Linke) mit einem äußerst charmanten "Angebot zur Unterstützung Ihres Anliegens in der Sozialpolitik". Absender ist eine nach eigenen Angaben "führende Online-Partnervermittlung", die Hilfe anbietet im Kampf gegen die "Versingelung der Gesellschaft".

Versingelung! Wir schlagen im Duden nach und finden: nichts. Vermuten aber, dass es sich um einen Vorgang handelt, der im Zusammenhang mit dem Alleinleben einer wachsenden Gruppe von Individuen steht. Wogegen ja eine Partnervermittlung etwas anzubieten hat. So informiert besagter Absender mit seinem Schreiben die 19 Ausschussmitglieder, dass Menschen in glücklicher Partnerschaft die Sozialsysteme deutlich weniger belasteten als Alleinstehende. Für eine erfolgreiche Sozialpolitik sei es also "von zentraler Bedeutung, den Trend zur Versingelung zu stoppen". Und jetzt kommt's: "Wenn Sie und Ihr Ausschuss für Kongresse, Kampagnen, Initiativen oder auch nur für den Erfahrungsaustausch zum Thema einen Partner suchen: Sprechen Sie mich bitte gern an." Da ist also jemand auf Partnersuche und will angesprochen werden.

"Sozialpolitik ist eben ein weites Feld", hat irgendein Ausschussmitglied mit dem Kuli auf den Brief geschrieben. Und ein Grinsegesicht dazu gemalt.

Eine Stadt braucht ihre First-Lady. Leipzig hat schon seit mehr als einem Monat die Dschungel-Queen Melanie Müller. Nun endlich kann Dresden nachziehen. Die 28-jährige Dresdnerin Katja hat wie erwartet das Rennen um den RTL-"Bachelor" gewonnen. Das ist ebenjene Kuppelshow, die so mau lief, dass der Sender zur Primetime lieber eine Stunde Ranking mit Sonja Zietlow davorgehängt hatte. Das aber tut Katjas Ruhm keinen Abbruch, weil es die sympathische alleinerziehende Mutter geschafft hat, die verschlagene Berlinerin Angelina aus dem Ring zu kicken.

Katja war ja schon seit Wochen die Favoritin. Insbesondere die Bild-Zeitung schrieb nur Nettes. Wir werden jetzt wohl dieses Melanie-Ding nochmal erleben, mit Katja diesmal: Es wird ein Katja-Hype herbeigeschrieben, über den sich die Schreiber dann weitschweifig wundern können. Andere werden sich über den Katja-Hype aufregen. Wieder andere werden antworten, dass ja keiner gezwungen wurde, sich den "Bachelor" anzugucken. Noch einen Monat später wird Katja mit ihren Zickereien gegen andere C-prominente Kurvengirls Schlagzeilen machen. Völlig vergessen ist dann der arme Kerl, um den es mal ging: Bachelor Christian (33), gut gebaut und dackeläugig, super-erfolgreicher Unternehmer. Er ist sicher bald wieder allein und wird am Ende ein Fall für den Sozialausschuss.