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| 02:59 Uhr

Verkehrsexperte fordert Fortschritt bei Technik und Organisation

José Viegas ist seit 2012 Forumschef. Der Portugiese berät auch Regierungen und Organisationen.
José Viegas ist seit 2012 Forumschef. Der Portugiese berät auch Regierungen und Organisationen. FOTO: dpa
Rund 1000 Experten diskutieren seit dem gestrigen Mittwoch in Leipzig beim Weltverkehrsforum. Der Generalsekretär des Internationalen Transportforums ITF, José Viegas, erklärt Zukunftstrends im Interview.

"Verkehr für eine Welt im Wandel" lautet das diesjährige Thema. Was genau steht dahinter?
Unsere Welt befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel. Veränderungen, die früher Jahrzehnte gebraucht hätten, vollziehen sich heute in kürzester Zeit. Zugleich ist der Wandel viel tiefgreifender, als man sich das manchmal vorstellen kann. Unsere Frage beim Weltverkehrsforum in diesem Jahr wird sein: Was bedeuten die großen Megatrends für die Mobilität von Menschen und Gütern, und wie stellen wir uns darauf ein? Urbanisierung, alternde Gesellschaften in manchen Regionen und schnell wachsende, jüngere Gesellschaften in anderen Regionen, Digitalisierung, Klimawandel, Verschiebung der weltwirtschaftlichen Gewichte nach Asien - all das sind Veränderungen, die zum Teil dramatische Auswirkungen darauf haben werden, wie Mobilität und Verkehr organisiert werden müssen.

Welche Trends im globalen Transportsektor zeichnen sich ab?

Die Digitalisierung und Automatisierung im Verkehr ist für mich ein ganz beherrschender Trend. Sensortechnik, Echtzeitdaten, steigende Rechnerkapazitäten werden dramatische Veränderungen bringen. Selbstfahrende Autos sind in einigen US-Bundesstaaten bereits auf öffentlichen Straßen zugelassen. Das "Platooning" von Lkw, bei dem sich mehrere Fahrzeuge zu einem dicht an dicht fahrenden, nur vom ersten Truck aus gelenkten "Straßen-Zug" zusammenschließen, wird ebenfalls bereits getestet, etwa in Schweden.

Wie realistisch ist es, im Transportsektor die CO{-2}-Emissionen drastisch senken zu wollen?

Wenn wir die Klimaziele noch erreichen wollen, muss etwas drastisches passieren, das ist klar. 1970 entfielen 45 Prozent des weltweiten Ölverbrauchs auf den Verkehrssektor, heute sind es 62 Prozent.Die Zahl der Autos könnte sich in den kommenden 30 Jahren nach einigen Schätzungen weltweit verdreifachen, auf mehr als drei Milliarden. Wenn das so käme, würden die globalen CO{-2}-Emissionen des Verkehrs nach unseren Berechnungen bis 2050 um bis zu 170 Prozent zunehmen. Wir brauchen darum gleichzeitig technischen Fortschritt für höhere Effizienz und sauberere Energieträger wie auch organisatorischen Fortschritt mit höherer Fahrzeugauslastung durch Carsharing und ähnliche Formen gemeinsamer Nutzung von Kapazität.

Mit José Viegas

sprach Gitta Keil