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Verfassungsschutz warnt vor missionierenden Muslimbrüdern

Gordian Meyer-Plath ist Präsident des sächsischen Verfassungsschutzes.
Gordian Meyer-Plath ist Präsident des sächsischen Verfassungsschutzes. FOTO: dpa
Dresden. Radikaler Islam galt lange als westdeutsche Erscheinung. In Sachsen versucht die Bruderschaft derzeit, ihren Einfluss auszubauen. Besonders auf Flüchtlinge hat sie es abgesehen. Christine Keilholz / ckz1

Die Sächsische Begegnungsstätte (SBS) stellt sich auf ihrer Homepage als multikulturelle Vereinigung vor. Sie will "die internationale Gesinnung und die Völkerverständigung fördern und einen aktiven Beitrag für ein besseres und friedlicheres Miteinander schaffen". Man sei, heißt es da, offen für "alle Menschen, unabhängig von ihrer Ethnie, Nationalität, Religion oder Sprache". Als Ziel nennt die SBS eine "Verbindung zwischen der alteingesessenen Bevölkerung und den Migranten auf lokaler und regionaler Ebene". Von einem "offenen Dialog" ist die Rede, von Toleranz und wechselseitiger Akzeptanz.

Schöne Worte, die Gordian Meyer-Plath nicht recht glauben mag. Als der Präsident des sächsischen Verfassungsschutzes kürzlich die Presse einlud, kamen ganz andere Worte: "Politischer Islam" war da zu hören, "Scharia" und vor allem "Muslimbrüder". Meyer-Plath warnt vor einem zunehmenden Einfluss dieser radikal-islamischen Vereinigung in Sachsen.

Die Bruderschaft nutze den Mangel an Gebetsstätten und Angeboten für Muslime in der Breite, um ihre Vorstellung eines politischen Islams zu verbreiten. Gerade auf Flüchtlinge, die nach Orientierung suchen, haben es die Muslimbrüder demnach abgesehen, um sie in ihre Strukturen zu integrieren.

Als Anlaufstellen hat der Verfassungsschutz die SBS ausgemacht. Die Begegnungsstätten will das Landesamt künftig beobachten, weil es dort Tendenzen zur Radikalisierung vermutet. Den Sicherheitsbehörden ist aufgefallen, dass im Umkreis der Begegnungsstätte Immobilien gekauft werden, um dort Moscheen oder Begegnungsstätten für Muslime einzurichten. So geschehen in Leipzig, Riesa, Meißen, Pirna, Dresden, Bautzen und Görlitz. Auffällig sei auch, dass es dabei an Geld nicht zu fehlen scheine. Die Muslimbrüder, so Meyer-Plath, gingen "mit einem Haufen Geld durch die Lande und kaufen Liegenschaften". An aus Westdeutschland bekannte Strömungen in Richtung Salafismus und Dschihadismus reichen diese Bestrebungen noch nicht heran, so Meyer Platz. Dennoch: Die Muslimbrüder lehnen Religionsfreiheit und freiheitlich demokratische Grundordnung ab. "Ziel der Muslimbrüder ist die Scharia in Deutschland", so der Verfassungsschützer.

Was die SBS indes von sich weist. Man vertrete einen "apolitischen Islam" und stehe zu "100 Prozent hinter den Prinzipien der Demokratie" heißt es aus der Begegnungsstätte. Als deren Geschäftsführer tritt der Physiker Saad Elgazar auf, der auch als Vorsitzender des Marwa Elsherbiny Kultur- und Bildungszentrums Dresden firmiert.

Das Zentrum, benannt nach der 2009 in Dresden ermordeten Ägypterin, will ein "Zuhause zu schaffen für Muslime verschiedenster Nationalitäten und gleichzeitig Vorurteile gegenüber dem Islam abzubauen".