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| 14:57 Uhr

Dresden
Nächsten Mittwoch Urteil im Freital-Prozess

Mit Handschellen ins Gericht: Den mutmaßlichen Mitgliedern der „Gruppe Freital“ wird die Bildung einer rechtsterroristischen Vereinigung vorgeworfen.
Mit Handschellen ins Gericht: Den mutmaßlichen Mitgliedern der „Gruppe Freital“ wird die Bildung einer rechtsterroristischen Vereinigung vorgeworfen. FOTO: Sebastian Kahnert / dpa
Dresden. Im Prozess gegen die rechtsextreme „Gruppe Freital“ wird Mittwoch kommender Woche vor dem Oberlandesgericht Dresden das Urteil gesprochen.

Der Vorsitzende Richter Thomas Fresemann setzte Dienstag, den 7. März – der Jahrestag des Prozessbeginns – als Verkündungstermin an. Zuvor hatten die acht Angeklagten am 73. Verhandlungstag Gelegenheit zu letzten Worten. Dabei drückten sie größtenteils ihr Bedauern über das Geschehene aus. Die acht Angeklagten im Alter zwischen 20 und 40 Jahren werden für insgesamt fünf 2015 in Freital und Dresden verübte Sprengstoffanschläge auf Flüchtlingsunterkünfte und politische Gegner verantwortlich gemacht.

Er könne sich nicht erklären, «warum, wieso, weshalb», sagte der als Rädelsführer angeklagte Patrick F. und beteuerte: „Es tut mir wirklich leid.“ Timo S., der von der Bundesanwaltschaft ebenfalls der Rädelsführerschaft beschuldigt wird, sagte: „Ich habe mich entschieden, mich schweigend zu verteidigen aufgrund der prozessualen Situation. Ich hoffe, dass der Senat mir das nicht übel nimmt.“

Die Bundesanwaltschaft hat für die beiden unter anderem wegen Bildung einer terroristischen Vereinigung und versuchten Mordes Freiheitsstrafen von elf Jahren beziehungsweise zehn Jahren und neun Monaten gefordert. Für die anderen sechs Angeklagten plädierte sie auf Strafen zwischen neuneinhalb und fünf Jahren. Die Verteidigung wies sowohl den Terror-Vorwurf als auch den des versuchten Mordes zurück und forderte deutlich geringere Strafen.

Maria K., die einzige Frau der Gruppe, entschuldigte sich, „dass ich die Augen verschlossen habe und so ignorant war“. Die Untersuchungshaft habe ihr die Augen geöffnet. „Ich wünschte, ich könnte den Geschädigten die Frage nach dem Warum beantworten.“

Scharf kritisierten Bundesanwaltschaft und Nebenklage am letzten Verhandlungstag die Angriffe eines Verteidigers auf das Gericht. Der Rechtsanwalt des Angeklagten Mike S., Martin Kohlmann, habe das Gericht bedroht und damit die Taten der Angeklagten in der Hauptverhandlung fortgesetzt, nämlich „den politischen Gegner einzuschüchtern, zu bedrohen und zum Rückzug zu zwingen“, sagte Nebenklagevertreter Alexander Hoffmann. Er appellierte an die Richter: „Sie müssen eine adäquate Antwort finden.“

Auch Oberstaatsanwalt Jörn Hauschild von der Bundesanwaltschaft kritisierte Kohlmann scharf. Wenn man von der „Weißen Rose als Gruppe München“ spreche, „erinnert das ganz stark an Geschichtsrevisionismus“. Er hoffe, dass die Anwaltskammer Kohlmanns „Verhalten noch mal etwas näher beleuchtet“.

Kohlmann hatte der Nebenklage zufolge in seinem Plädoyer Ende Januar gesagt, dass er hoffe, dass sich seine Ausführungen nach einem Systemwechsel einmal strafverschärfend in einem Prozess gegen das Gericht wegen Freiheitsberaubung und Rechtsbeugung auswirken würden. Am Dienstag wies er den Vorwurf der Bedrohung zurück. „Ich habe keinen Einfluss darauf, ob irgendwann einmal ein Verfahren gegen das Gericht geführt wird. Das kann ich hoffen, aber einen Einfluss darauf habe ich nicht.“

(dpa)