ARD-Tagesschau berichtet am Samstag: Sachsens Landesbischof Carsten Rentzing sei von 1989 bis 1992 Redakteur der Zeitschrift "Fragmente - das konservative Kulturmagazin" gewesen. In mehreren Beiträgen habe er „Verachtung für die liberale Demokratie“ zum Ausdruck gebracht, vor „Ausländern in der Exekutive“ gewarnt und ein „autoritär-elitäres und völkisches Staatsverständnis“ an den Tag gelegt. Nach Informationen der ARD sei Rentzing am Freitag von einem Pfarrer seiner Landeskirche mit den in der Deutschen Nationalbibliothek in Frankfurt am Main vorhandenen Texten konfrontiert worden. Dies habe zum Rücktritt geführt. Als Beleg für die politische Ausrichtung der Zeitschrift veröffentlichte die ARD zudem eine Abbildung einer Doppelseite: Direkt neben einem Aufsatz von Rentzing hatte eine Reichsbürgerorganisation ganzseitig inseriert.

Wegen Mitgliedschaft in schlagender Verbindung in Kritik

Am Freitag hatte Rentzing selbst erklärt, dass die anhaltende Diskussion um seine Person Grund für seinen Rücktritt sei. „Sie ist nicht nur für mich persönlich, sondern auch für die gesamte Kirche derzeit eine Belastung.“ Er wolle sein Amt zum nächstmöglichen Zeitpunkt zur Verfügung zu stellen. Von den Beiträgen in der rechten Zeitschrift war da nicht die Rede. Rentzing erklärte lediglich: „Positionen, die ich vor 30 Jahren vertreten habe, teile ich heute nicht mehr."

Rentzing, der normalerweise noch bis 2027 im Amt geblieben wäre, war seit seiner Wahl 2015 umstritten. Er hatte am Ende einer zweitägigen Wahlsynode im sechsten Wahlgang nur zwei Stimmen mehr als sein Gegenkandidat, der liberale Landesjugendpfarrer Tobias Bilz, erhalten. Theologisch vertrat Rentzing stets konservative Positionen, so lehnt er etwa die Trauung gleichgeschlechtlicher Paare ab. Zuletzt war er wegen seiner Mitgliedschaft in einer schlagenden Verbindung und eines 2003 gehaltenen Vortrags in der zur neurechten Szene gehörenden Berliner „Bibliothek des Konservatismus“ in die Kritik geraten. Mehr als 900 Gemeindeglieder hatten ihn in einer Petition zur Distanzierung von den neuen Rechten aufgefordert. In den letzten Jahren war Rentzing zudem wiederholt kritisiert worden, weil sich die Kirche in Sachsen angeblich nicht deutlich genug von der Alternative für Deutschland (AfD), die in Sachsen im September einen deutlichen Erfolg bei den Landtagswahlen erzielt hatte, distanziert habe.

Verhältnis zu Konservativen bei Synode auf dem Prüfstand

In Unkenntnis der jüngsten Veröffentlichungen über Rentzing hatten am Freitag der Leitende Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands (VELKD), Ralf Meister, und der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschlands (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, den Rücktritt bedauert.

Besondere Bedeutung bekommt der Rücktritt auch, weil im November die Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland, das bundesweite Kirchenparlament der EKD, in Dresden zusammenkommt. Die höchsten Gremien der deutschen Protestanten werden sich nun intensiver als je zuvor mit der Rolle ihrer Kirche im Umgang mit Rechtsextremismus und dem Verhältnis zu den Konservativen in den eigenen Reihen auseinandersetzen müssen.