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| 06:54 Uhr

Menschen zunehmend stärker in Sorge
Untypisches Verhalten von Wölfen in der Lausitz

Henry Schumann hat zwei seiner Schafe halb zerfetzt im Frauendorfer Teichgraben gefunden. Das Lamm Timmi ist verschwunden.
Henry Schumann hat zwei seiner Schafe halb zerfetzt im Frauendorfer Teichgraben gefunden. Das Lamm Timmi ist verschwunden. FOTO: Mirko Sattler
Cottbus. Das Märchen vom bösen Wolf glaubt auch in der Lausitz kein Mensch wirklich. Allerdings legt das Raubtier in der dicht besiedelten Kulturlandschaft teilweise ein Verhalten an den Tag, das untypisch ist und die Leute in Sorge zurücklässt.

Das eigentlich sehr scheue Raubtier taucht völlig unbefangen in bewohnten Siedlungen wie in Rietschen, Rothenburg und Weißkeißel (Kreis Görlitz) auf. In Arnsdorf bei Ruhland (Oberspreewald-Lausitz) hat sich das Tier schon weit in die Ortslage bis vor den Gartenzaun gewagt.

Bis zehn Meter hatten sich junge Tiere zwei Revierförstern im September vergangenen Jahres am Speicherbecken Lohsa (Kreis Bautzen) genähert. Diese unheimliche Begegnung mit dem Wolf ist vom Lausitzer Wolfsbüro mit dem Spieltrieb der Welpen erklärt worden.

Die Jäger Sven Schulz und Sven Peschel haben im vergangenen Herbst ihren Augen kaum getraut bei Lohsa. Bis auf zehn Meter hat sich den Männern ein junger Wolf völlig unerschrocken genähert und ihnen dreist einen Arbeitshelm entwendet.
Die Jäger Sven Schulz und Sven Peschel haben im vergangenen Herbst ihren Augen kaum getraut bei Lohsa. Bis auf zehn Meter hat sich den Männern ein junger Wolf völlig unerschrocken genähert und ihnen dreist einen Arbeitshelm entwendet. FOTO: Henry Gburek

Der Wolf tötet ausschließlich, um seinen Hunger zu stillen. Er reißt dafür nur ein Tier, tötet nicht sinnlos – schreibt das Lehrbuch. In Frauendorf bei Ortrand (Oberspreewald-Lausitz) haben Wölfe unmittelbar an einem Grundstück, auf dem ein zünftiger Polterabend gefeiert wurde, ebenfalls im September vergangenen Jahres drei Schafe gerissen. Die Anwohner bestätigen, dass der Räuber in einer Zeit bei bester Beleuchtung und lauter Musik zugeschlagen haben muss.

In der Königsbrücker Heide sind bei Schwepnitz (Kreis Bautzen) in einer Nacht auf einen Schlag nachweislich 38 Schafe einer Herde und zwei Ziegen gerissen worden.

Rinder stehen nicht auf dem Speiseplan des Wolfes. Doch von Nachgeburten vom Kalben auf Weiden ist der Lausitzer Wolf auf den Geschmack gekommen. Im März und Mai dieses Jahres, das ist nunmehr auch amtlich bestätigt, hat ein Wolf in einem Stall in Lindenau (Oberspreewald-Lausitz) jeweils ein frisch geborenes Kälbchen getötet. Diese Attacken in einem Mutterkuhstall sind eine neue Qualität von Übergriffen und bisher beispiellos.

(kw)