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| 01:13 Uhr

Troja-Funde im Isotopen-Labor

Woher kamen die Fremden, die Troja nach der Zerstörung besiedelten? Die Antwort auf diese und andere Fragen will Archäometrieprofessor Ernst Pernicka von der TU Bergakademie Freiberg im Isotopenlabor finden. Von sabine ebert

Dazu untersucht er die chemische Zusammensetzung von rund 3000 Jahre alten Keramiken und Bronzewaren. Der Forscher will herausfinden, aus welchen Lagerstätten die Ausgangsmaterialien stammen. "Die Archäometrie eröffnet so neue Möglichkeiten für die Geschichtsforschung, ohne die herkömmliche Archäologie von Spaten und Pinsel zu ersetzen", sagt Pernicka. Zu seinen bisher berühmtesten Forschungsobjekten zählen die "Himmelsscheibe von Nebra" und das in Süddeutschland entdeckte Gold der Kelten.
Erste Ergebnisse zu den Funden von Troja würden bereits jetzt einige herkömmliche Theorien über Bord werfen, meint Pernicka. Danach stammen die dort ausgegrabenen Bronzestücke aus der Zeit des Trojanischen Krieges nicht aus der Ägäis oder vom Balkan wie bisher angenommen. Das Kupfer und Zinn der Bronzefunde muss nach Pernickas bisherigen Untersuchungen aus Zentralasien kommen. Troja sei offensichtlich ein wichtiger internationaler Handelsknoten gewesen.
Nach optischen Kriterien lassen sich in Troja rund 80 verschiedene keramische Warentypen unterscheiden, doch in der näheren Umgebung gab es nur zwei verschiedene Arten von Ton. Mit deren Analyse kann der Professor feststellen, welche Keramiken lokal hergestellt wurden und woher die Importwaren kamen. So stehe jetzt schon fest, dass der größte Teil der schön verzierten "Mykenischen Keramik" zwischen 1600 und 1200 v.Chr., also genau in der Zeit des Trojanischen Krieges ein Verkaufsschlager, wirklich aus Mykene kam.
Ein Teil jedoch ist aus trojanischem Ton nachgeformt - ein Hinweis darauf, dass auch mykenische Handwerker in die Stadt geholt worden sein könnten.
Vor allem aber will Professor Pernicka ein Rätsel lösen, über das schon frühere Ausgräber Trojas grübelten: In "Troia VII", derjenigen von zehn Schichten, die auf der zerstörten Stadt errichtet wurde, findet sich durchgängig die so genannte "Buckelkeramik", im Englischen als "barbarische Keramik" bezeichnet. Sie ist nicht wie die mykenische auf der Drehscheibe gefertigt, sondern in Ringwulsttechnik. Das sei technisch gesehen ein Rückschritt, sagt der Forscher.
Daraus folgerten Archäologen, dass sich erneut Fremde in Troja ansiedelten und somit ihre Kultur mitbrachten. Vermutet wurde als Ursprungsort der Balkan, Spuren dieser Kultur sind bis in die Lausitz zu finden. Gemeinsam mit zwei Doktoranden aus Tübingen will Professor Pernicka durch geochemische Analysen des Tons herausfinden, woher denn die Fremden nun wirklich kamen.
"Die Archäometrie ist gelegentlich Schiedsrichter zwischen konkurrierenden Hypothesen", sagt der Wissenschaftler über seine Arbeiten.