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| 07:41 Uhr

Steigen die Preise?
Trockenheit setzt Weihnachtsbäumen zu

Den Tannenbäumen fehlt Wasser, so wie hier auf der Weihnachtsbaumplantage Landwirt Ulrich Krone in Königs Wusterhausen. Denn durch die Hitze ist es für sie viel zu trocken.
Den Tannenbäumen fehlt Wasser, so wie hier auf der Weihnachtsbaumplantage Landwirt Ulrich Krone in Königs Wusterhausen. Denn durch die Hitze ist es für sie viel zu trocken. FOTO: dpa / Bernd Settnik
Dresden/Königs Wusterhausen. Die Dürre hat vor allem jungen Tannen vertrocknen lassen. Das könnte sich in ein paar Jahren bemerkbar machen. Steht der Weihnachtsbaum in der warmen Stube, kann es in diesem Jahr vor allem ein Problem geben.

Die extreme Trockenheit der vergangenen Monate hat den Weihnachtsbäumen in Brandenburg und Sachsen zugesetzt. Von den im Frühjahr frisch gepflanzten Bäumen seien bis zu 50 Prozent vertrocknet, sagte Sachsenforst-Sprecher Renke Coordes. Die älteren Weihnachtsbäume hingegen hätten die Dürre besser überstanden. „Dabei werden nur gesunde Bäume mit grünen Nadeln verkauft“, betonte Coordes mit Blick auf die beginnende Weihnachtsbaum-Saison.

In den heimischen Wäldern wachsen vor allem Blaufichten und Gemeine Fichten, aber auch Kiefern, Omorikafichten und Nordmanntannen. Jedes Jahr verkauft allein der Sachsenforst zwischen 25 000 bis 30 000 Weihnachtsbäume. Coordes geht davon aus, dass es in diesem Jahr ähnlich viele Weihnachtsbäume sind. Eine mögliche Knappheit könnte sich erst in sechs bis sieben Jahren bemerkbar machen, wenn die in diesem Jahr gepflanzten Tannen, Fichten und Co. geerntet werden. Das hänge vom Erfolg der Nachpflanzungen ab, hieß es.

„Es gibt immer Bäume, die schwächeln. Aber im Großen und Ganzen sieht man es den Bäumen nicht an“, sagte Robert Kleinstäuber von der Plantage Markersbach (Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge). Dennoch könnten die Bäume, wenn sie erst einmal geschmückt in der Stube stehen, schneller die Nadeln verlieren als normalerweise. „Der Baum hat über den trockenen Sommer hinweg weniger Wasser gespeichert.“

Wer länger Freude an seinem Tannenbaum haben will, sollte daher auf ausreichend Wasser im Baumständer achten und ihn ab und an mit Wasser aus der Sprühflasche benetzen, rät Kleinstäuber. Der Garten- und Landschaftsbaubetrieb produziert auf knapp 30 Hektar Weihnachtsbäume. Damit gerade die Jungpflanzen nicht verdorren, musste im Sommer mehr gegossen werden als sonst. „Eine logistische Herausforderung.“ Mit dem Tankwagen war Kleinstäuber mehrfach in der Plantage unterwegs - bis zu zehn Liter Wasser pro Baum waren jedes Mal nötig.

Auf der Plantage von Matthias Hundt bei Schwedt (Uckermark) musste Ende Juli bereits nachgepflanzt werden. Den Bäumen sei der Hitzestress schon anzusehen: Nadeln seien blass und braun. „Da passiert nichts. Das Wachstum ist komplett eingestellt, frische Triebe bilden sich nicht mehr.“

Auf die Preise schlägt sich das aber nicht nieder. Eine kleine, nicht üppig gewachsene Nordmanntanne - nach wie vor der Klassiker unter den Weihnachtsbäumen - gibt es für knapp 10 Euro. „Für Leute, die Fantasie haben und gut schmücken können“. Für eine Nordmanntanne in erster Qualität können es bis zu 46 Euro sein.

Los geht es mit dem Verkauf auf der Markersbacher Plantage am Freitag vor dem 1. Advent (30. November). Wer selbst Hand anlegen möchte, kann mit Axt und Säge losziehen, verkauft wird zudem an zehn Verkaufsstellen in Sachsen. Acht bis zwölf Jahre muss ein Baum in der Regel wachsen, bevor er geschlagen wird.

Neben privaten Plantagen bieten auch die Forstbezirke des Sachsenforst Bäume frisch aus dem Wald oder zum Selberschlagen an - los geht es nächsten Dienstag in Hammerunterwiesenthal (Erzgebirge). Wer möchte, kann im Wermsdorfer Wald am Samstag vor dem Zweiten Advent mit Axt und Säge in den Wald ziehen. „Ein Erlebnis für die ganze Familie“, sagte Christiane Wolfram vom Forstbezirk Leipzig. Trotz der Trockenheit gebe es genügend Weihnachtsbäume in guter Qualität. Die älteren, bis zu zehn Jahre alten Bäume, hätten die Dürre gut verkraftet. Hingegen gibt es bei den Jungpflanzen Verluste: Die neu gepflanzten Tannenbäume seien nahezu flächendeckend vertrocknet. „Die Wurzeln sind noch nicht tief genug im Boden verankert“, sagte Wolfram.

Wird auch das nächste Jahr trocken, könnte es in ein paar Jahren tatsächlich weniger Weihnachtsbäume aus heimischen Wäldern geben. „Das Ökosystem Wald leidet, das Niederschlagsdefizit ist gigantisch“, sagte Wolfram. Die Forstwirte hoffen deshalb auf einen feuchten, nicht zu kalten Winter, damit sich der Wald erholen kann.

(dpa)