ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 02:38 Uhr

Trend zur Wunschschule bei Sachsens Eltern

Wie geht es für mein Kind nach der Grundschule weiter? Viele Eltern in Sachsen haben da sehr feste Vorstellungen.
Wie geht es für mein Kind nach der Grundschule weiter? Viele Eltern in Sachsen haben da sehr feste Vorstellungen. FOTO: dpa
Dresden. Immer mehr Eltern in Sachsen legen Einspruch gegen die vom Amt zugewiesene Schule ein. Die meisten sind mit ihren Einsprüchen erfolgreich. Christine Keilholz / ckz1

Gegen die Zuweisung zu einer bestimmten Schule sind in Sachsen im aktuellen Schuljahr bereits in 190 Fällen Einsprüche eingegangen. Das geht aus einer Anfrage der Grünen-Landtagsabgeordneten Petra Zais an das Kultusministerium hervor. In 125 Fällen hatten die Eltern demnach Erfolg.

Die Unzufriedenheit der Eltern mit den zugewiesenen Schulen ist größer geworden. Insbesondere bei den Grundschulen, die die Hälfte der Einsprüche ausmachen. In vielen Fällen waren die Grundschulen schlicht überlastet, erklärt Kultusministerin Brunhild Kurth (CDU) in ihrer Antwort. Ein Teil der Einsprüche kam zustande, weil die gewünschten Schulen "wegen eines vorliegenden Kapazitätsengpasses" keine weiteren Schüler aufnehmen konnten. Manche Eltern legen daher Einspruch ein, um die Chancen ihres Kindes zu erhöhen, auf den gewünschten Platz nachzurücken.

Wie viele Eltern in Brandenburg Einspruch einlegen, kann das Bildungsministerium in Potsdam nicht beantworten.

Insgesamt spricht Kurth für das Schuljahr 2016/2017 mit Einsprüchen in dreistelliger Höhe. Von denen sich aber viele im persönlichen Gespräch klären ließen. Durch Rücknahme des Widerspruchs nach Anhörung, durch die Anmeldung an einer anderen Schule, durch Umlenkung an eine andere Schule oder durch Umzug hat sich ein Großteil der Verfahren erledigt. Die meisten Einsprüche kamen in Leipzig zusammen, sie betreffen dort größtenteils die Grundschulen.

Die Grüne Petra Zais sieht durch die vielen Verfahren die freie Schulwahl in Gefahr. Die steigenden Zahlen zeigten, "dass Eltern das Recht auf freie Schulwahl verstärkt einfordern". Auch der aktuelle Lehrkräftemangel und die steigenden Schülerzahlen sollten nicht dazu führen, dass dieses Recht eingeschränkt werde, so die Abgeordnete: "Der Trend zur Wunschschule, besonders in den Großstädten, ist ungebrochen."

Vor allem an den Grundschulen, meint Zais, sollten auch Klassen unterhalb der Mindestschülerzahlen gebildet werden können, um kurze Wege für die Kinder zu sichern. In der Praxis indes werden die Schüler von den Regionalbildungsagenturen oft so verteilt, dass Schulen mit zu wenig Einschreibungen die Mindestzahlen erreichen. Nicht immer sind die Eltern damit einverstanden.

In ganz Sachsen steigen die Schülerzahlen seit Jahren. Im aktuellen Schuljahr sind es 10 000 mehr als im vorigen. Darunter auch viele Flüchtlingskinder. 9200 Kinder mit Migrationshintergrund wurden auf die 1353 öffentlichen Schulen verteilt. Dafür wurden 530 Klassen für Deutsch als Zweitsprache (Daz) eingerichtet - 15 mehr als 2015.

Um die benötigten Lehrer zusammenzubekommen, musste die Bildungsagentur auf so viele Quereinsteiger wie nie zurückgreifen. Sie machen fast die Hälfte der im Sommer neu eingestellten Lehrkräfte aus. Noch vor einem Jahr wurde jede fünfte Stelle mit Akademikern ohne Lehramtsausbildung besetzt.