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Torgau feiert Kriegsende mit Elbe Day

Die Nationalflaggen der USA, von Deutschland und Russland wehen am Elbe Day vor dem Schloss Hartenfels in Torgau.
Die Nationalflaggen der USA, von Deutschland und Russland wehen am Elbe Day vor dem Schloss Hartenfels in Torgau. FOTO: dpa
Torgau. Das Ende des Zweiten Weltkriegs begann in Torgau. Dafür ist die Renaissancestadt an der Elbe bis heute von Moskau bis Washington berühmt. An die historische Begegnung von Amerikanern und Russen erinnert der Elbe Day vom heutigen Freitag an bis zum Sonntag. Mit Nachspielszenen, Lasershow, Musik und echten Diplomaten. Christine Keilholz

Streng genommen ist der Ort falsch. Hier fand im April 1945 weder das erste "East meets West" statt, noch das zweite. Dennoch ist Torgau der Ort des berühmten Handschlags geworden. Deshalb wird auch dieses Jahr der Elbe Day groß gefeiert. Mit einer ganzen Gedenkwoche erinnert Torgau an seinen großen Moment.

Zwei US-Botschafter stehen auf der Gästeliste des Festkomitees: Aus Berlin reist John B. Emerson an, aus Rom der dortige Gesandte John R. Phillips. Von russischer Seite werden Botschafter Wladimir Grinin und Generalkonsul Wjatscheslaw Logutow dabei sein, wenn Torgau am 25. April die Ereignisse von einst nachspielt. Seit Jahren schon bietet der jährliche Elbe Day immer im April fröhliches Militär-Nachspiel unter dem Motto "down by the riverside".

Diesmal will man das militärische Gepränge möglichst klein halten, heißt es aus dem Rathaus - wegen der aktuellen geopolitischen Gemengelage. Trotzdem, die Orden werden wieder blitzen.

Im April 1945 markierte die Elbe die Grenze zwischen Krieg und Frieden. Von Osten her kam die Rote Armee, vom Westen die US- Army. Die später so berühmte erste Begegnung der Alliierten von Torgau war eigentlich erst die dritte. Zum wirklich ersten Mal trafen Sowjets und Amerikaner beim Dörfchen Lorenzkirch aufeinander, 30 Kilometer flussaufwärts, drei Stunden früher.

Von Strehla aus fuhr der US-Kommandant Albert Kotzebue mit drei Männern im Boot ans östliche Elbufer, wo der russische Oberstleutnant Alexander Gordejew wartete. Doch die breiten Elbwiesen vor Lorenzkirch lagen am Mittag des 25. April 1945 voller Toter. Um die 300 deutsche Zivilisten waren auf der Flucht vor den Sowjets am Fluss gescheitert.

Dieses Setting, da waren sich Russen und Amerikaner einig, war nicht das passende für einen historischen Glücksmoment. Der wurde einvernehmlich vertagt, Kotzebue fuhr zurück, Lorenzkirch wurde nicht mal protokolliert. Und auch das Elbdorf Kreinitz, einen Steinwurf weiter flussabwärts, wo man eine Stunde später erneut aufeinander traf, schied als Location aus.

Anders dann am Nachmittag an der zerstörten Brücke von Torgau. Ein Brückenkopf in Trümmern, im Hintergrund das imposante Renaissance-Schloss Hartenfels - da konnten sich wirkungsvoll die Hände gereicht werden. Indes, auch das brauchte Inszenierung. Tags drauf trafen sich die Kommandeure beider Seiten, um Vorbereitungen für das offizielle "East meets West" zu treffen. Das Ergebnis war der Handschlag von Torgau, getätigt am 27. April 1945 in Anwesenheit von Fotografen und einem Kamerateam. Da aber hatten die Regierungen in Washington, Moskau und London schon Erklärungen rausgegeben, der Krieg sei so gut wie gewonnen. Der Schwur, den Russen und Amerikaner damals in Torgau leisteten, soll am 70. Jahrestag erneuert werden. Eine entsprechende Petition wird am 25. April auf der Elbbrücke verlesen.

Was die Geschichtsbücher ignorierten, daran erinnert eine kleine Gedenktafel am Fähranleger in Strehla. Auch Kreinitz bekam sein Täfelchen. Doch das wichtigste Denkmal, das auf dem Heldenfriedhof in Arlington, nahe der US-Hauptstadt, feiert Torgau als Ort des "East meets West".