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| 10:59 Uhr

Harte Verhandlungen
Slowake übernimmt Waggonbau Niesky

Der Waggonbau Niesky produziert Güterwagen und Drehgestelle. Das Unternehmen ist Marktführer für Spezialfahrzeuge in Europa.
Der Waggonbau Niesky produziert Güterwagen und Drehgestelle. Das Unternehmen ist Marktführer für Spezialfahrzeuge in Europa. FOTO: Angelika Brinkop
Niesky. Für einen der letzten Güterwaggonbauer Deutschlands geht es nach monatelanger Hängepartie weiter: Der Waggonbau Niesky (WBN) mit seinen knapp 300 Mitarbeitern ist vom slowakischen Güterwagenhersteller Tatravagonka gekauft worden. Es gilt eine fünfjährige Beschäftigungs- und Standortsicherung.

„Ich bin froh, auch dass es einer aus der Branche ist und sich mit Güterwaggons auskennt“, sagt Jan Otto, Erster Bevollmächtigter der IG Metall in Ostsachsen.

Mittwoch vergangener Woche wurden die Verträge mit Tatravagonka unterschrieben. Der Käufer, der mehrheitlich dem Finanzinvestor Optifin Invest gehört, gilt als Europas größter Hersteller von Güterwagen. Er hat Niederlassungen in Deutschland, Polen, Serbien und Indien und sich im Bieterkampf gegen die weltweite Nummer eins, den chinesischen Staatskonzern China Railway Rolling Stock Corporation, behauptet. Laut Insolvenzverwalter WallnerWeiß in Dresden steht nur noch die Zustimmung durch die Kartellbehörde aus, man hoffe auf Zustimmung in zwei, drei Wochen.

Im Ergebnis harter Verhandlungen mit dem neuen Eigentümer steht nun für die Mitarbeiter laut Gewerkschafter Otto eine komfortable Situation. Zugeständisse würden nur dieses Jahr beim Weihnachtsgeld gemacht, 2019 würden Sonderzahlungen ans Ergebnis gekoppelt und ab 2020 gelten die alten Tarife. Zudem sei eine fünfjährige Beschäftigungs- und Standortsicherung vereinbart.

Angetreten waren die Slowaken mit Forderungen, die Tarife um 60 Prozent zu drücken. Solch drastische Anfangsforderungen seien typisch für Ostsachsen, berichtet IG-Metaller Otto. Aber wer die gut ausgebildeten Mitarbeiter brauche, müsse auch ordentlich zahlen. Das habe man in den Verhandlungen immer wieder deutlich gemacht. Tatravagonka brauche den Standort, der habe immerhin 30 Prozent Marktanteil im Güterwagenbau. „Ich traue den Slowaken sogar zu, dass sie den Standort noch ausbauen.“ Nicht ohne Stolz betont Otto, dass die Nieskyer Waggonbauer deutlich über den Tarifen des anderen Tatravagonka-Unternehmens in Halle (Saale) liegen.

Der gut 100 Jahre alte Lausitzer Traditionsbetrieb Waggonbau Niesky hatte im Januar 2018 Insolvenz angemeldet. 2016 hatte WBN noch einen Rekord bei den Auftragseingängen im Umfang von 137 Millionen Euro vermeldet. Der Exportanteil lag bei 70 Prozent. Gegen den Münchner Eigentümer Quantum habe es erhebliche Vorwürfe gegeben, áus Niesky Geld rausgezogen und es an die Wand gefahren zu haben, so IG-Metall-Bevollmächtiger Otto.

(SvD)