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Süßer die Lieder nie klingen

Sie sind uns über Jahrzehnte ans Herz gewachsen: die guten alten Weihnachtsschallplatten. Deshalb pflegt man sie, hebt sie auf, auch nachdem der Plattenspieler längst ausgemustert wurde. Von thomas gillmeister

Jens Heinich (42) aus Zschopau verwandelt nun auf Wunsch die etwas rauschenden Lieder von einst in klangvolle CD-Hörerlebnisse.
Weihnachtsschallplatten, wie Frank Schöbels "Weihnachten in Familie" oder der Kult-Klassiker "Bald nun ist Weihnachtszeit" waren zu DDR-Zeiten heiß begehrt und zählten zur Mangelware. "Die Verkäuferin ,bestach' man mit Ananasbüchsen, um so sicher an die Schallplatte zu kommen", erzählt Jens Heinich selbst erlebte Geschichten aus der DDR-Mangelwirtschaftsgeschichte. "Ich gab schon als Kind mein ganzes Taschengeld für Frank Schöbel und Co aus", erinnert er sich schmunzelnd. So kam im Laufe von über 20 Jahren eine stattliche Schallplattensammlung zusammen.
Nach der Wende begann der technisch Begabte, sie mit Hilfe von speziellen Computerprogrammen zu restaurieren und für sich auf CD zu überspielen. "Weil man mir häufig über knackende, rauschende Vinylplatten ein Leid klagte, kam ich einfach auf die Idee, den Fans meine Dienste anzubieten", erinnert er sich. "Außerdem gab meist im Laufe der Jahre der Plattenspieler den Geist auf und man stieg auf CD-Player um. Der Nachteil: Man konnte nun die Platten nicht mehr hören."
Inzwischen hat sich der gelernte Elektroniker unter Schallplattenfreunden als Helfer in der (Klang-)Not einen Namen gemacht. Für rund 20 Euro plus Versand restauriert er jede eingeschickte Langspielplatte, die man innerhalb von zwei, drei Tagen zusammen mit einer klangvollen CD wieder zurück bekommt. Singles digitalisiert Jens Heinich für rund zehn Euro. Dabei staunt er häufig, wie liebevoll manche Besitzer mit ihren Schallplatten umgehen.
"Obwohl sie schon 20, 30 Jahre auf dem Buckel haben, sehen manche schwarze Scheiben und die Cover noch wie neu aus", plaudert er aus dem Auftragsbuch. Das hat sich in den vergangenen Wochen ordentlich gefüllt, denn bis Weihnachten ist bei ihm jeweils Hochsaison.
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