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Wald ist nicht nur Idyll, sondern auch Erholungsort und Holzquelle.
Wald ist nicht nur Idyll, sondern auch Erholungsort und Holzquelle. FOTO: dpa
Großpösna. Leipzigs Südraum ist nicht gerade als Waldidyll bekannt. Noch vor 20 Jahren fand hier, wer aus der großen Stadt nach Süden rausradelte, nichts weiter vor als grau-braune Tagebau-Ödnis mit gelegentlichem Baggerbewuchs. ckz1

Inzwischen wurde aufgeforstet, ein lichter Mischwald soll über die Jahre entstehen. Doch das braucht seine Zeit. Noch sieht der Wald hier von Weitem aus wie ungekämmtes Gestrüpp. Kein Wunder also, dass die Kinder in der Gegend nicht mehr wissen, was Wald eigentlich ist.

Um der zunehmenden Naturentfremdung zu begegnen, hat der Freistaat nun ein Blockhaus mitten in den botanischen Garten in Großpösna (Kreis Leipzig) gestellt. Es ist eins von sieben waldpädagogischen Zentren, in denen Förster Jugendlichen den Wald erklären: Den Wald als Ökosystem, als Erholungsort, als Holzquelle. "Wer schon früh Natur und Landschaft kennen und schätzen gelernt hat, wird sich später vielleicht auch für deren Erhalt starkmachen", hofft Umwelt-Staatssekretär Herbert Wolff. Rund 350 000 Euro kostet das Holzblockhaus in Großpösna.

Die Waldpädagogik ist in Sachsens Waldgesetz als Aufgabe der Forstbehörden festgeschrieben. Da gibt es viel zu erklären, zumal Wald nicht still steht und schweigt, sondern als Kulturlandschaft nach gewissen Moden gestaltet wird.

Sachsens Waldfläche beträgt insgesamt mehr als eine halbe Million Hektar. Das entspricht aktuell 28,5 Prozent der Landesfläche. Was immer noch weit unter dem Bundesdurchschnitt von 32 Prozent liegt. Zum Vergleich: Brandenburg lag laut Waldinventur bereits 2010 bei 35,4 Prozent Waldanteil. Aber es geht voran in Sachsen. Seit 2010 sind rund 3500 Hektar Wald dazugekommen, vor allem durch Rekultivierung wie nach dem Bergbau.

Ziel ist es, in den nächsten Jahren den Waldanteil auf 30 Prozent zu erhöhen. Das sieht der Landesentwicklungsplan aus dem Jahr 2013 vor. Demnach sollen im Erzgebirge und in der Lausitz die meisten Waldflächen dazukommen. Die Region Oberlausitz-Niederschlesien käme damit auf einen Waldanteil von 38 Prozent.

Sachsens Wald besteht zum Großteil aus Fichten und Kiefern. Sie bewachsen zwei Drittel der Waldfläche. Gerade die Fichte, der Brot- und Butterbaum der Nutzholzgewinnung, bringt eine Menge Probleme mit sich. Oft stehen gleichaltrige Fichten nebeneinander in Monokulturen, sie sind anfällig für Krankheiten und Schädlinge. Vor allem Buchdrucker und Kupferstecher machen der Gemeinen Fichte zu schaffen. Die gute alte deutsche Eiche ist da im Vorteil, sie kommt mit Prozessionsspinnern und mit Trockenheit besser klar als die schnell wachsende Nadelkonkurrenz.

Deshalb baut Sachsen seit Jahren den Wald um. Weg vom Nadelbaum, hin zu standortgerechten Baumarten wie Rotbuche, Stieleiche und Traubeneiche. Sachsens "Waldstrategie 2050" legt fest, jedes Jahr rund 1500 Hektar Wald dementsprechend umzubauen. Aber ein Selbstläufer ist das nicht. Immer wieder werden Eichensetzlinge Opfer von hungrigen Rehen, die die Rinde anknabbern oder gleich alles wieder kahl fressen. Zum Waldumbau gehört deshalb auch die regelmäßige Diskussion über Abschussquoten fürs Wild - kein einfaches Thema für Naturfreunde.

Alles in allem geht der Waldumbau in Sachsen zu langsam, um die Pläne von Land und Bund zu erfüllen. So kritisieren die Grünen im Landtag in Dresden, dass immer noch weite Waldflächen allein den Nadelbaum-Monokulturen gehören. Allein auf der Hälfte der rund 200 000 Hektar Staatswald wüchsen Fichten außerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebiets. Vom Ideal eines naturnahen struktur- und artenreichen Walds sei Sachsen noch sehr weit entfernt.