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Straftaten an Schulen sind leicht zurückgegangen

Dresden.. 16-mal zückten Schüler in den beiden vergangenen Jahren eine Schusswaffe, in zwölf Fällen wurde auch geschossen. Meist zielten die Jugendlichen mit einer Luftdruckwaffe nur auf Fenster und Türen, doch viermal auch mit Gaspistolen oder Schreckschusswaffen auf Personen. Dieses Bild zeichnete gestern Innenminister Horst Rasch (CDU) bei der Vorstellung einer Studie des Landeskriminalamtes (LKA) zu Gewalt an Schulen.


Er appellierte daher an Eltern und Lehrer, mit den Kindern über die Achtung von Leben und Gesundheit intensiv zu sprechen. Für Lehrer würden bereits verstärkt Fortbildungen zur Gewaltprävention angeboten.
Insgesamt konnte Rascheinen leichten Rückgang der angezeigten Straftaten am Tatort Schule verzeichnen. Mit knapp 5700 Delikten im Jahr 2002 wurden fünf Prozent weniger gezählt als im Jahr zuvor. Fast die Hälfte der Straftaten waren Diebstähle, doch es kamen auch 600 Körperverletzungen und fast 1400 Sachbeschädigungen hinzu. Bei 15 Raubdelikten erzwangen die Täter zudem von den Schülern Bargeld, Bekleidung und Zigaretten.
Besonders an Mittelschulen und bei den 14- bis 18-Jährigen werde Gewalt als Problemlösung eingesetzt, oftmals mit Sprays oder mit Steinen, sagte Rasch. Dabei sind es meist Jungs, die brutal werden: Die Polizei zählte 1143 männliche Gewalttäter, aber nur 167 Mädchen. Oftmals sind für die Kriminalität in der Schule Wiederholungstäter verantwortlich. Die fast 5700 Delikte gehen auf das Konto von 3049 mutmaßlichen Tätern. Insgesamt gibt es in Sachsen rund 580 000 Schüler.
Die Gefährdung im schulischen Bereich sei aber deutlich geringer als außerhalb der Schulen, sagte LKA-Sprecher Lothar Hofner gegenüber der RUNDSCHAU. Zumindest bei den angezeigten Straftaten machen die Opferzahlen in der Schule nur einen Bruchteil dessen aus, was jenseits der Schulhöfe passiert. Über die Dunkelziffer könne er jedoch kein Aussage machen, so Hofner.
Um die Kriminalität in den Klassenzimmern zu bekämpfen setzt Rasch auf die Sicherheitspartnerschaft von Schule und Polizei. So gibt es speziell geschulte Präventionsbeamte und Informationsmaterial, das in den Schulen eingesetzt wird. Über mögliche Ursachen für die Gewalt an Schulen sagte Rasch indes nichts.
Nach Angaben des Kultusministeriums können jedoch Faktoren wie beispielsweise Gewaltdarstellungen in den Medien die Bereitschaft zu Straftaten befördern. Rasch betonte zugleich, auch Eltern müssten ihren Beitrag zur Prävention leisten und ein Auge darauf haben, was ihre Kinder mit in die Schule nehmen. "Waffen gehören nicht in die Schultasche", verdeutlichte er. Zugleich sollten Eltern die Sommerferien nutzen, um mit ihren Kindern ins Gespräch zu kommen. Dies könne dazu beitragen, mögliche Konflikte im Vorfeld auszuräumen.
Auch GEW-Landeschefin Sabine Gerold forderte eine stärkere Einbeziehung der Eltern in den Schulalltag. Derzeit überließen Eltern die Erziehung ihrer Kinder dagegen häufig den Schulen, kritisierte sie. Zugleich plädierte Gerold für mehr pädagogische Freiräume im Unterricht. So müsste etwa Klassenleitern mehr Zeit zur Verfügung stehen, um auf Probleme der Schüler eingehen zu können. Dafür müssten die Lehrpläne "entschlackt" werden. (Eig. Ber/sh/ddp)