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Stimmungstest in der Union

Wenn die 229 Delegierten der sächsischen CDU heute ausgerechnet in der „Ritter-Georg“-Halle in der Schwar-zenberger Straße der Einheit zum Parteitag zusammen treffen, haben sie ein durchaus ritterliches Spektakel zu absolvieren: Es geht um die erneute Kür von Landeschef Georg Milbradt und seiner Adjutanten. Ein mit Spannung erwarteter Stimmungstest der Union – Zwietracht nicht ausgeschlossen. Von Sven Heitkamp

Hätte Amtsinhaber Milbradt vor einem Jahr bei der Basis zur Abstimmung gestanden - es hätte ein Fiasko geben können für den Ministerpräsidenten. Nach dem Landtagswahl-Desaster für die CDU prasselte herbe Kritik auf den Parteichef ein, seine Führungsrolle wurde offen in Frage gestellt.
Doch seit dem Wahlkampf für die Bundestagswahl, bei der die sächsische Union stärkste ostdeutsche Landesgruppe wurde, sind die Kritiker weitgehend verstummt. Es wird gegrummelt, aber nicht mehr laut gemeckert. Nun dürfte Milbradt zwar nicht die 89,9 Prozent Zustimmung von vor zwei Jahren erhalten, aber doch noch ein solides Ergebnis einfahren.
Mit einem Dämpfer rechnet auch Kultusminister Steffen Flath, der als Vize wiedergewählt werden will. Die Schulschließungen dieses Sommers haben ihm viele Parteifreunden übel genommen. Mit dem guten Ergebnis von etwa 86 Prozent vor zwei Jahren rechnet Flath, der dennoch als möglicher Kronprinz gilt, heute nicht mehr. Von Interesse wird auch die Wahl von Noch-Innenminister Thomas de Maizière, der ebenfalls als potenzieller Milbradt-Nachfolger gilt.
De Maizière will ein Standbein in Sachsen halten, auch wenn er in den nächsten Jahren das Kanzleramt unter Angela Merkel leiten dürfte. Allerdings zeichnet der Innenminister für eine heikle sächsische Großbaustelle verantwortlich: Die Verwaltungs- und Kreisreform, die in der CDU für böses Blut sorgt. Gehofft wird indes, dass Milbradt ein Richtungszeichen für die Nachfolge de Maizières gibt. Benannt wird ein neuer Minister allerdings erst, wenn die Berliner Regierung tatsächlich steht. Als ein Favorit gilt derzeit der Bautzener Oberbürgermeister und Präsident des Städte- und Gemeindetages, Christian Schramm.
Richtig gerangelt wird derweil um einen weiteren Stellvertreterposten, den die Schwarzenberger Oberbürgermeisterin Heidrun Hiemer abgibt. Dafür kandidiert Bernd Lange, der Landrat des Niederschlesischen Oberlausitzkreises. Er muss aber mit Thomas Probst aus Burkhardtsdorf als Gegenkandidaten rechnen. Dritte im Bunde der Vizes ist die Leipzigerin Christine Clauß, die zugleich noch auf der Suche nach einem Oberbürgermeister-Gegenkandidaten ist, weil Wolfgang Tiefensee nach Berlin wechselt.
Inhaltlich zur Sache geht es bei der CDU am Nachmittag. Dann wird die umstrittene Patriotismusdebatte mit einem Leitantrag des Vorstandes eingeläutet, der eine bundesweite Debatte anschieben soll. Titel: "Deutscher Patriotismus im vereinigten Europa"