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Stellenstreichung in Leipzig gestrichen

Dresden. Die Rosskur an den Unis hat die neue schwarz-rote Staatsregierung in Sachsen abgebrochen, wenn auch erst ab 2017. Aufatmen an der Alma Mater in Leipzig: Die kleinen Institute Archäologie, Pharmazie und Theaterwissenschaften sollen überleben. Es ist auch ein Bekenntnis der CDU-SPD-Regierung für kleine Fächer in einem Land, das sonst nur Ingenieure sucht. Christine Keilholz

Eine Pompa funebris, eine klassisch römische Beerdigung, haben die Leipziger Archäologie-Studis schon veranstaltet. 2014 trugen sie mit Pauken und Trompeten ihr Institut zu Grabe, als Protest gegen die Sparvorgaben der CDU-FDP-Staatsregierung in Dresden. Doch jetzt stehen die Zeichen auf Wiederbelebung.

Die Studiengänge Archäologie, Theaterwissenschaft und Pharmazie an der Uni Leipzig sollen weitergeführt werden. Es werde "aller Voraussicht nach zum kommenden Wintersemester in alle Studiengänge noch einmal immatrikuliert", lässt das Rektorat mitteilen. Das ist zwar zunächst so vorläufig, wie es klingt. Doch konkreter tönt es aus Kreisen der SPD. Dort vermeldet man hinter vorgehaltener Hand bereits die Rettung der drei Studiengänge. Ein Verhandlungserfolg für die Sozialdemokraten, die seit November wieder das Sagen haben in Sachsens Hochschulpolitik. Für die neue SPD-Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange war das dringendste Anliegen, das Stellenstreichprogramm der Vorgängerregierung zu stoppen.

Mehr als 1000 unbefristete Stellen wollte die Koalition aus CDU und FDP bis 2020 kürzen, verteilt auf die 14 sächsischen Hochschulen. 50 Millionen Euro hätte der immer sehr sparsame Freistaat damit pro Jahr weniger ausgegeben. Die Hochschulen ließen sich vor fünf Jahren auf diesen Plan ein. Dann aber schwante der Uni Leipzig, der ältesten im Land, dass diese Rosskur hauptsächlich an ihr hängen bleiben würde. Denn der größeren TU Dresden, die sich als Exzellenz-Uni am Markt behaupten will, bleibt das Sparen erspart.

Uni Leipzig ging aufs Ganze

Die Leipziger versuchten den Befreiungsschlag mit einer brutalen Konsequenz - und verkündeten das Aus für die drei kleinen Fächer. Mit fünf Stellen weniger in der Theaterwissenschaft, dreien in der Archäologie und vier in der Pharmazie gingen in allen drei Instituten demnächst die Lichter aus. Archäologen und Apotheker würden dann in Sachsen nicht mehr ausgebildet - Theaterleute im ganzen Osten nicht mehr. Rektorin Beate Schücking sprach von der harten, aber unvermeidlichen "Amputation gut funktionierender Muskelgruppen" am Wissenschaftskörper. Das obwohl alle drei Fächer sich guter Nachfrage erfreuen. Und sich überhaupt immer mehr junge Leute in Sachsen einschreiben. Die damalige Hochschulministerin Sabine von Schorlemer (parteilos), selbst Jura-Professorin in Leipzig, verwies dagegen hilflos auf die Hochschulautonomie und schnürte Überlastpakete: Ein paar befristete Assistenten da, wo es eng wird. So sollte die sächsische Hochschulpolitik bis 2020 aussehen.

Schorlemers Nachfolgerin hat nun die Reißleine gezogen. Allerdings, die greift erst in drei Jahren. "Den von Schwarz-Gelb mit den Hochschulen vereinbarten Stellenabbau bis 2016 konnten wir nicht rückgängig machen", sagt der SPD-Landtagsabgeordnete Holger Mann. Die gute Nachricht für die Leipziger Uni lautet, ab 2017 bleiben 754 Stellen erhalten, die Schwarz-Gelb schon abgeschrieben hatte. Die weniger gute Nachricht: Bis 2016 müssen noch 44 Stellen weg.

Wo die aber gespart werden sollen, wenn nicht bei den kleinen Fächern, darüber schweigt sich die Uni derzeit aus. Das Ministerium will da keine Vorgaben machen. "Die Uni hat das intern für sich entschieden", sagt Sprecher Andreas Friedrich. Jetzt müsse die Uni auch selbst dafür sorgen, dass ihre Studienanfänger auch in Leipzig abschließen können.

Starke Konkurrenz bei Nachbarn

Noch ziemlich vage sieht es für die Archäologie aus. Das vergleichsweise kleine Leipziger Institut hat starke Konkurrenz in Jena und Halle - und zudem einen veritablen Standortnachteil. Die Staatlichen Kunstsammlungen als natürlicher Partner sitzen in Dresden, das Landesmuseum für Archäologie in Chemnitz, beides weit weg. Trotzdem ist Marco Blechschmidt vom Fachschaftsrat "zurzeit guter Hoffnung". Auch die Theaterwissenschaft mit ihrem angeschlossenen Tanzarchiv wird erstmal mitgeschleppt, bis 2017 Staatsregierung und Hochschulen einen neuen Plan verabschieden.

Leichter wird das für die Apotheker, für deren Nachwuchssicherung der Freistaat sorgen muss. Die Leipziger Pharmazie immatrikuliert im Wintersemester weitere 36 Einsteiger.