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| 02:39 Uhr

Spreadshirt schließt Leipziger Produktion

Ein Mitarbeiter prüft den Druck eines T-Shirts in der Firma Spreadshirt. Jetzt steht die Produktion in Leipzig vor dem Aus.
Ein Mitarbeiter prüft den Druck eines T-Shirts in der Firma Spreadshirt. Jetzt steht die Produktion in Leipzig vor dem Aus. FOTO: dpa
Leipzig. Das Vorzeige-Unternehmen der Leipziger Kreativ-Szene macht sich unbeliebt: Produziert wird ab sofort nur noch im Ausland. Christine Keilholz

Die Produktion am Stammsitz in Leipzig-Plagwitz wird in dieser Woche eingestellt, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. Die individuell designten T-Shirts von Spreadshirt werden für den europäischen Markt dann nur noch an zwei Standorten hergestellt: Im tschechischen Krupka und im polnischen Legnica.

"Mit Wirkung vom 7. Januar 2016 stellt die Leipziger Produktionsstätte Spreadshirt Manufacturing Deutschland GmbH ihre Arbeit ein", heißt es in einer Mitteilung. Am Stammhaus in Plagwitz verlieren 26 Mitarbeiter ihren Job, darunter 16 Vollzeitbeschäftigte. Entlassen werden sie, weil das Unternehmen zu groß geworden ist. Spreadshirt ist eine Erfolgsgeschichte wie aus dem Gründer-Handbuch. 2002 ging das Unternehmen in Leipzig an den Start.

Gründer Lukasz Gadowski hatte die Idee, T-Shirts nach Kundenwunsch zu bedrucken. Inzwischen beschäftigt das Unternehmen um die 250 Mitarbeiter. Spreadshirt profitierte von der hippen Umgebung in Leipzig Plagwitz. Wo früher Industrieschlote rauchten, wo nach der Wende Fabrikhallen bröckelten, zieht es seit der Jahrtausendwende immer mehr junge Leute hin, die zwar nicht viel Geld mitbringen, aber Einfälle haben. So entstand der wichtigste Wachstumskern im Westen der Messestadt. Plagwitz ist der Motor des coolen Leipzig.

Einer der Motoren von Plagwitz ist Spreadshirt. Auch wenn das Unternehmen inzwischen Büros in Berlin, London, Paris und Utrecht unterhält. Ebenso in Legnica in Polen, wo Spreadshirt 2006 seinen dritten Produktionsstandort eröffnete. Einen weiteren gibt es in Greensberg, USA.

Die Firma ist hohe Wachstumsraten gewohnt. Zwischen 2009 und 2013 habe sich der Umsatz fast verdreifacht, heißt es aus der Geschäftsleitung. 2014 meldete das Unternehmen einen Jahresumsatz von 72 Millionen Euro. Entscheidend für den Erfolg war das Modell, den Kunden ein Dach für eigene Online-Shops zu bieten. Die können dort ihre selbst designten Klamotten verkaufen. Spreadshirt fertigt dann die Endprodukte. Über 70 000 Verkäufer sind an das System angeschlossen - Privatpersonen, Unternehmen oder Parteien. "Spreadshirt wächst und wächst", betont Sprecherin Anja Greulich. Die Zukunft liegt auf externen Marktplätzen.

Seit 2015 verkaufen sich die Shirts auch über eBay in Deutschland und den USA sowie Amazon. Die Verlegung der Produktion sei dagegen aus operativen und wirtschaftlichen Gründen unumgänglich. Um "die Wettbewerbsfähigkeit von Spreadshirt zukunftsweisend zu sichern, die Weichen für ein weiteres Wachstum zu stellen und damit bestehende Arbeitsplätze in Deutschland dauerhaft zu erhalten sowie neue zu schaffen", sagte Thobias Schaugg, Geschäftsführer der nun aufgelösten Produktions-Sparte Spreadshirt Manufacturing Deutschland. Ein Ausbau am Stammhaus indes "verbietet sich aus wirtschaftlichen Überlegungen".

Dort ist die Empörung groß. Sachsens Linke haben angekündigt, ihren Spreadshirt-Shop zu schließen. Aus Proteste gegen die Entlassungen will die Partei ihre Wahlkampf-Leibchen künftig lieber "an kleine lokale Unternehmen mit fairen Lohn- und Produktionsbedingungen vergeben".