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Sozialer Wohnungsbau in Sachsen
Dresden baut eigene Wohnungen

ILLUSTRATION - ARCHIV - Die Fassade eines Wohnblocks, aufgenommen am 28.08.2014 in Hannover (Niedersachsen). (zu dpa "Mieterbundchef fördert Verschärfung der Mietpreisbremse" vom 26.11.2017) Foto: Ole Spata/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
ILLUSTRATION - ARCHIV - Die Fassade eines Wohnblocks, aufgenommen am 28.08.2014 in Hannover (Niedersachsen). (zu dpa "Mieterbundchef fördert Verschärfung der Mietpreisbremse" vom 26.11.2017) Foto: Ole Spata/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ FOTO: Ole Spata / dpa
Dresden.. Der Bau von bezahlbaren Wohnungen geht zu langsam voran, kritisieren Bauwirtschaft und Mieterverbände. Christine Keilholz

Gerade erst hat die Landesdirektion der Stadt Dresden die Gründung einer neuen städtischen Wohnungsbaugesellschaft genehmigt. Damit kann die rot-grün-rote Stadtratsmehrheit ihr wichtigstes gemeinsames Projekt abhaken. Die „Wohnen in Dresden Verwaltungs GmbH“ (WiD) ist damit nach langem Hin und Her endlich geboren. Viel verspricht sich die Stadt von diesem neuen Unternehmen. In den nächsten beiden Jahren soll die WiD Gebäude mit insgesamt 800 Sozialwohnungen vermieten.

Dresden ist attraktiv und wächst. In naher Zukunft wird die Stadt an der Elbe 600 000 Einwohner haben. Von 2015 bis 2016 stieg die mittlere Vergleichsmiete um sieben Prozent auf sechs Euro pro Quadratmeter. Immer mehr Wohnungen werden saniert. Wenn dadurch neue Leute einziehen, wird das gern für Mieterhöhungen genutzt. Während in der Provinz Hausbesitzer gegen den Werteverfall ihrer Immobilien ankämpfen, boomt in Städten wie Dresden das Geschäft.

Dresdens zieht viele Investoren an, die Wohnungen bauen – aber, wie überall, eher für die gehobene Kundschaft. Am unteren Ende schwindet das Angebot. Noch macht das Günstig-Segment laut Mietspiegel knapp die Hälfte des Dresdner Wohnungsangebots aus. Der Baubürgermeister der Grünen, Raoul Schmidt-Lamontain, sagt, auch der soziale Wohnungsbau muss sich nach außen ordentlich präsentieren, „sonst haben wir sofort eine Stigmatisierung ganzer Stadtviertel“.

Schätzungen zufolge fehlen in 15 Jahren bis zu 35 000 Wohnungen. Für eine Bevölkerung, immer älter wird und zunehmend allein lebt. In der Hälfte der 300 000 Dresdner Haushalte leben Singles. Immerhin käme der Wohnungsbau langsam in Gang, sagt der Baubürgermeister. Bis 2010 kamen pro Jahr in der Stadt 550 Wohnungen dazu. Bis 2013 waren es schon 1000. Im Jahr 2016 knackte Dresden erstmals seine Zielmarke von 2500 Wohnungen, so Schmidt-Lamontain.

Ein Drittel ihres Einkommens geben Dresdner im Schnitt für die Miete aus, die Einkommen steigen langsamer als die Wohnkosten. Die gründerzeitlichen Altbau-Quartiere der Neustadt, von Pieschen und Blasewitz erleben seit den 90er Jahren einen Zustrom von 30 Prozent. Verlierer sind die Ecken, wo die DDR ihre Betonschließfächer lieblos hinknallte. Dort will kaum noch jemand wohnen, selbst wenn sie gut gelegen sind.

Um das Problem der steigenden Mieten und der Wohnungsknappheit in den Städten in den Griff zu bekommen, setzt der Bund auf Baustellen. 2016 wurden laut Statistischem Bundesamt 278 000 Wohnungen fertig. Die hohe Zahl von 375 000 Baugenehmigungen, die im vergangenen Jahr zudem erteilt wurden, stimmt Ministerin Hendricks optimistisch, dass noch mehr Wohnungen folgen werden.

Aber wo? Studien des Bundesbauministeriums zeigen, wie schwierig es ist, Innenstadtflächen für den Wohnungsbau zu nutzen. Projekte scheitern häufig nicht am Geld, sondern am Widerstand derer, die schon da sind. Wo es aber kaum noch Grundstücke in der Stadt gibt, muss notgedrungen raus auf die grüne Wiese gebaut werden. So kommt man ruckzuck wieder zu dem, was man nicht mehr wollte: Triste Betonsiedlungen. Sachsens Landeshauptstadt bringt für die neue Wohnungsgesellschaft zehn Millionen Euro an Eigenkapital ein – davon eine Million in bar, dazu Planungsleistungen im Wert von zwei Millionen und städtische Grundstücke für insgesamt sieben Millionen. Die rund 110 Millionen Euro, die die WiD in den nächsten Jahren in den Bau von Wohnungen investieren will, sollen zu zwei Dritteln aus Krediten fließen und zu einem Drittel aus Fördermitteln von der Sächsischen Aufbaubank.

Wohnungsbau war ein großes Thema in diesem Bundestagswahlkampf. Mindestens 350 000 neue Wohnungen werden laut Bundesbauministerin Barbara Hendricks (SPD) jedes Jahr gebraucht, um den Bedarf in den wachsenden Städten zu decken. Für sozialen Wohnungsbau hat die Bundesregierung 1,5 Milliarden Euro eingeplant. Geld ist an sich genug da. Aber nur selten wird daraus ein ordentliches Angebot an bezahlbaren vier Wänden. Die Gründe dafür finden sich in den Ländern und Kommunen. Mehr als eine Million neue Wohnungen müssen laut Berechnungen aus Hendricks Haus in dieser Legislaturperiode fertiggestellt werden.