ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 02:38 Uhr

Sorben und Wenden wollen eigene Uni

Bautzen. Viele Sorben und Wenden fühlen sich in ihrer Lausitzer Heimat wie in einer Diaspora. Und nicht wenige geben ihre Sprache und Kultur auf, um bei der deutschen Mehrheit nicht aufzufallen oder anzuecken. dpa/uf

Zurück zu den Wurzeln: Die Sorben und Wenden in der Lausitz fordern konkrete Schritte zum Erhalt ihrer Sprache und Kultur. Wenige Tage nach einem Bildungsgipfel in Bautzen meldeten sich am Donnerstag die Befürworter eines Sorbischen Parlamentes (Serbski Sejm) zu Wort. Auf dem Gipfel war ein sechs Punkte umfassender Katalog mit Maßnahmen erarbeitet worden.

Man brauche dringend einen gesamtgesellschaftlichen Pakt, um die Sprache zu erhalten, hieß es an erster Stelle. Mit Blick auf den Mangel an Sorbischlehrern wird ein Sofortprogramm für Quereinsteiger verlangt. Dazu sei eine adäquate Ausstattung des Institutes für Sorabistik in Leipzig notwendig, hieß es.

Eine andere Forderung betrifft die Gründung einer Universität der Sorben und Wenden in Bautzen und Görlitz. Als Vorbild dient die Viadrina in Frankfurt (Oder).

Für die Oberlausitz wird eine Schule für Erwachsenenbildung angemahnt, wie es sie in Cottbus mit Schule für Wendische Sprache und Kultur in städtischer Trägerschaft gibt. Zugleich pochen die Initiatoren des Parlamentes auf Autonomie bei Bildung und Kultur mit eigener Budgetverwaltung, über die ein demokratisch legitimiertes Parlament verfügen soll. Konkret geht es um Kompetenz und Mitspracherecht bei der Schulnetzplanung, Einsatz von Lehrern und Lehrplaninhalten, die der Geschichte und Lage der Sorben und Wenden Rechnung tragen.

"Bildungsbegleitende Fonds" sollen dafür verwendet werden, den Schülertransport oder Stipendien für den Kultur- und Studienaustausch in den Nachbarländern zu finanzieren. Experten zufolge beherrschen immer weniger Kinder sorbischer und wendischer Familien ihre Muttersprache. Die Zahl der Schüler mit sorbischer Muttersprache hat sich in Sachsen in den vergangenen zwei Jahrzehnten etwa halbiert.