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| 11:39 Uhr

Sorben halten an Crostwitz fest

Bautzen/Dresden.. Der Dachverband der Sorben, die Domowina, will die geplante Schließung der sorbischen Mittelschule in Crostwitz nicht akzeptieren. Alle von der Verfassung gebotenen Möglichkeiten sollten ausgeschöpft werden, „um diese für die sorbische Zukunft verheerende Maßnahme abzuwenden“, kündigte der Domowina-Vorsitzende Jan Nuck in Bautzen an.


Mit jeder sorbischen Bildungseinrichtung, die wegfalle, verliere das kleinste slawische Volk einen unverzichtbaren Sprachraum. Die Schule in Crostwitz soll zum Ende des Schuljahres geschlossen werden. Das sächsische Kultusministerium hatte den vom Landkreis Kamenz eingereichten Schulnetzplan bestätigt, der lediglich den Erhalt der sorbischen Mittelschulen in Räckelwitz, Ralbitz und Panschwitz-Kuckau vorsieht (die RUNDSCHAU berichtete). Die Maßstäbe der Mehrheitsbevölkerung seien allerdings ungeeignet für die Entscheidung darüber, ob die sorbischen Schulen weiter bestehen können, sagte Nuck.
Das Kultusministerium verteidigte die geplante Schließung mit der zu geringen Zahl sorbischer Kinder. So hätten sich an der Mittelschule in Crostwitz lediglich sieben Schüler für die fünfte Klasse angemeldet, sagte Ministeriumssprecher Dieter Herz in Dresden. Normal wären dagegen zwei Klassen mit jeweils zwanzig Schülern. Zudem seien bereits in den vergangenen beiden Schuljahren wegen zu geringer Nachfrage keine fünften Klassen mehr zustande gekommen. Herz betonte, den Schülern der jetzigen Stufen sieben bis neun sei es zuzumuten, nach den Sommerferien die rund sechs Kilometer entfernte Mittelschule in Ralbitz zu besuchen.
Erst vor wenigen Tage hatte sich der Bund Lausitzer Sorben mit Briefen an Papst Johannes Paul II., an den Hohen Kommissar für die Angelegenheiten nationaler Minderheiten der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) und an das Europa-Parlament gewandt, um für Unterstützung zu werben (die RUNDSCHAU berichtete).
Die Crostwitzer Mittelschule war vor zwei Jahren überregional bekannt geworden. Mit einer öffentlich stark beachteten Protestaktion hatten Eltern, Schüler und Sympathisanten für den Erhalt der Schule gekämpft. Gegen den Willen des Kultusministeriums wurde der Unterricht für
17 Fünftklässler organisiert. (ddp/bra)