ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 03:04 Uhr

Sonntagsreden kosten auch G eld

Die Liberalen haben bekanntlich was gegen Bürokratie. Die macht Aufwand, ist teuer und in Teilen sowieso unsinnig, sagt Sachsens Wirtschaftsminister Sven Morlok (FDP).

Der scheute jüngst weder Aufwand noch Kosten und gab eine Studie in Auftrag, laut der der ganze Papierkram die sächsischen Unternehmen im Jahr summa summarum 1,6 Milliarden Euro kostet. Ein Haufen Geld. Wir müssen Bürokratie abbauen, sagt Morlok. So weit, so löblich . . . Was aber ist jetzt das? Da stellt der FDP-Landtagsabgeordnete Torsten Herbst eine Kleine parlamentarische Anfrage an den FDP-Wirtschaftsminister um zu erfahren, wie sich die "Inanspruchnahme der verkaufsoffenen Sonntage" im Lande entwickelt hat.

Der Minister antwortet schriftlich und förmlich, dass die mit d em neuen Ladenöffnungsgesetz geschaffenen Möglichkeiten "in der Praxis angekommen und genutzt werden". Diese Kleine Anfrage ist drei Seiten lang, sie muss nun Hunderte Male kopiert, von Haus zu Haus geschickt und in alle wesentlichen Brieffächer gestopft werden. Es muss eine Landtagsdebatte zum Ladenöffnungsgesetz geben, deren Vorbereitung viel Sonntagsarbeit machen wird.

Die SPD muss überlegen, wie sie das gestellte Thema halbwegs geschickt mit der Forderung nach dem flächendeckenden Mindestlohn verquickt. Die CDU muss sich kirchlichen Beistand holen. Die Grünen müssen Stapel von Recyclingpapier mit ihren Thesen bedrucken. Die Linken müssen sich neue Schimpfwörter für den Minister ausdenken . . . Wie viel Bürokratie wäre gespart worden, hätte Torsten Herbst seinen Parteifreund Morlok einfach angerufen und gesagt: "Du Sven, lass uns shoppen gehen am Sonntag!"

Wer eine Oper hat, der muss auch Oper machen. Der Zoff um die Entlassung des neuen Intendanten Serge Dorny hat die Dresdner Semperoper mal wieder als das präsentiert, was es sein sollte: Nicht nur ein bombastischer Bau mit roten Teppichen und nackten gemalten Musen an der Decke. Nicht nur der Musentempel aus der Bierwerbung. Nicht nur das architektonische Symbol für die Wiedergeburt des alten Zuckerbäcker-Dresden. Die Semperoper ist ein Ort, wo echte Dramen spielen. Und kein Drama ohne Zoff. Wenn ein Intendant die Diva spielt. Wenn, wie neulich, die sonst so reservierte Kunstministerin Sabine von Schorlemer (parteilos) bei einer öffentlichen Erklärung vor lauter Ärger kaum den Sprechzettel halten kann. Wenn sie mit zittriger Stimme sagt, dass "zwei Verlobte sich lieber früher trennen sollten, nicht erst, wenn sämtliches Geschirr im Haus zerschlagen ist".

Dann ist doch alles da, was eine gute Oper braucht: Hoffnung, Enttäuschung, Betrug, Hinterlist, Verrat. Allein dieser Satz vom Chefdirigenten Christian Thielemann: Es sei nun wirklich nicht die feine französische Art, "wenn jemand mit mir über feine Weine redet und hinterher mit der Ministerin meinen Vertrag diskutieren will". Dafür sollte man Eintritt verlangen.