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| 15:25 Uhr

Sachsen
Hybridzug lässt auf sich warten

ARCHIV - Mitarbeiter der Erzgebirgsbahn montieren am 27.06.2016 neue Zusatzaggregate auf das Dach eines Triebwagens der Baureihe 642 in Chemnitz (Sachsen). Das automatisierte Fahren ist nicht nur auf der Straße ein Thema. Auch auf der Schiene soll es in Zukunft ohne menschliche Hilfe vorwärtsgehen. Die Forschungsarbeit dazu soll im Erzgebirge geleistet werden. (zu dpa «Im Erzgebirge soll das Zugfahren 4.0 erfunden werden» vom 26.01.2018) Foto: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
ARCHIV - Mitarbeiter der Erzgebirgsbahn montieren am 27.06.2016 neue Zusatzaggregate auf das Dach eines Triebwagens der Baureihe 642 in Chemnitz (Sachsen). Das automatisierte Fahren ist nicht nur auf der Straße ein Thema. Auch auf der Schiene soll es in Zukunft ohne menschliche Hilfe vorwärtsgehen. Die Forschungsarbeit dazu soll im Erzgebirge geleistet werden. (zu dpa «Im Erzgebirge soll das Zugfahren 4.0 erfunden werden» vom 26.01.2018) Foto: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ FOTO: Jan Woitas / dpa
Chemnitz. Software-Probleme: Der  „Ecotrain“ rollt voraussichtlich erst ab 2020 durch das Erzgebirge. dpa

Der erste serientaugliche Hybridzug sollte bereits in diesem Jahr durch das Erzgebirge rollen. Doch der Start des „Ecotrain“ verzögert sich um etwa zwei Jahre, weil es Schwierigkeiten mit einer Software gab. „Das Fahrzeug als solches ist fertig konstruiert, doch wir hatten erhebliche Probleme bei der Erstellung der Stromlaufpläne“, sagte Projektleiter Sören Claus der Nachrichtenagentur dpa.

Demnach müssten in dem Fahrzeug unzählige Kabel und Leitungen über knapp 10 000 sogenannte Anbindungspunkte verdrahtet werden. Das zunächst verwendete Computerprogramm habe jedoch immer wieder Fehler ausgeworfen. Mitte des vergangenen Jahres habe man dann die Reißleine gezogen, die Software gewechselt und in diesem Punkt von vorn begonnen. Nun sollen besagte Pläne bis zum Sommer fertig sein, damit der Prototyp noch vor Jahresende in Betrieb genommen werden könne.

Beim „Ecotrain“ handelt es sich um einen herkömmlichen Triebwagen, der auf einen elektrischen Antrieb umgerüstet wird. Das Hybridfahrzeug ist mit einer Lithium-Ionen-Batterie ausgestattet, damit der Zug auch auf nicht elektrifizierten Bahnstrecken mit Strom fahren kann. In einer zweiten Ausbaustufe ist zudem ein Stromabnehmer für Oberleitungen vorgesehen. Der Dieselmotor an Bord dient nur noch als Unterstützung.

Das Hybridfahrzeug rollt nicht nur leiser, sondern stößt auch deutlich weniger CO2 aus und verbraucht weniger Sprit. Rund ein Drittel Diesel soll damit eingespart werden. Derzeit liege der Dieselverbrauch auf Nahverkehrsstrecken wie dem Erzgebirge zwischen 80 und 100 Litern pro 100 Kilometer. Im Durchschnitt legt ein solcher Regionalzug im Jahr zwischen 140 000 und 200 000 Kilometer zurück, so der technische Leiter der Erzgebirgsbahn. Die Tochter des Bahnkonzerns hat bei dem seit 2013 laufenden Pilotprojekt den Hut auf.

Für 2019 seien nun umfangreiche Testfahrten geplant, bevor 2020 dann mit der eigentlichen Zulassung zu rechnen sei, sagte Claus weiter. Bis 2021 sollen zunächst zwölf umgerüstete Hybridzüge bei der Erzgebirgsbahn auf die Schiene geschickt werden. Das Interesse am „Ecotrain“ sei jedoch bundesweit groß, denn der Triebwagen der Baureihe VT 642 sei weit verbreitet und werde nicht nur von der Bahn eingesetzt.

Europaweit gibt es demnach mehr als 600 Züge dieser Art, die dann entsprechend umgebaut werden könnten, um auch auf nicht oder nur teilweise elektrifizierten Strecken umweltfreundlicher zu fahren. Die Entwicklung wird unter anderem vom Bundesverkehrsministerium gefördert. Ein Drittel der bisher geplanten Kosten von rund 13,5 Millionen Euro trägt der DB-Konzern. Aufgrund des Verzugs rechnet Projektleiter Sören Claus mit Mehrkosten   in  Höhe von zehn bis 15 Prozent.