ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 01:03 Uhr

Semmler-Stolln ein halbes Jahrtausend alt

Im einstigen Bergbaurevier um Schneeberg und Schlema wird an diesem Wochenende der 500. Jahrestag der Auffahrung des „Markus-Semmler-Stollns“ gefeiert. Von katrin kleeberg

Damit werde eine bergmännische Leistung gewürdigt, die bis heute von großer Bedeutung für die Region ist, erklärt Werner Runge vom Vorbereitungskomitee "Bergmannstag 2003".
Durch die Besucherbergwerke "Markus Semmler" in Schlema und "Fundgrube Weißer Hirsch" in Schneeberg sowie über einige Lichtlöcher zu erreichen, ist der Stollen heute vor allem eine touristische Attraktion. Doch auch die bergmännisch-technische Meisterleistung aus dem Jahr 1503, die dabei bestaunt wird, erfüllt ihren Zweck bis heute.

Bedeutung für Kupferbergbau
Aufgefahren wurde der "Markus-Semmler-Stolln" zunächst als so genannter wasserlösender Stollen für den damals aufstrebenden Oberschlemaer Kupfererzbergbau, berichtet Rudolf Daenecke von der Wismut GmbH. Weitergeführt wurde er dann in das Schneeberger und Neustädtler Revier zur Entwässerung der Grubenbaue des dort entstehenden Silbererzbergbaus. Genutzt wurde er schließlich auch für den Kobalterzbergbau im Revier. Das über den Stollen abgeführte Wasser aus dem Bergbau wurde unter anderem für das im Schlematal liegende Blaufarbenwerk genutzt.
Weithin bekannt wurde der Markus-Semmler-Stolln allerdings erst zu Beginn des
20. Jahrhunderts. Damals entdeckte man die Radioaktivität der über den Semmler-Stolln abgeführten Grubenwässer. Damit wurde er sozusagen zur "Quelle" des Radiumbades Oberschlema, dem Bad mit dem weltweit stärksten natürlichen radioaktiven Wasser.

Neue Berühmtheit erlangt
Ausgehend von der Radioaktivität der Grubenwässer gelangte der Semmler-Stolln zum Ende des zweiten Weltkrieges schließlich zu neuer Berühmtheit. Er wurde zum Ausgangspunkt des bergmännischen Aufschlusses für die Uranlagerstätte Schlema-Alberoda, die dann von der Sowjetisch-Deutschen Aktiengesellschaft (SDAG) Wismut bis zum Ende der DDR-Zeit gnadenlos ausgebeutet wurde.
Doch auch für nicht bergmännische Zwecke wurde der Semmler-Stolln in seiner langen Geschichte immer wieder genutzt. Neben der Wasserversorgung des Blaufarbenwerkes in Schlema diente er später auch als Hochwasserschutzbau und Wasserquelle für den steigenden Trink- und Brauchwasserbedarf.
Seine Bedeutung als zusätzliches Hochwasserableitungssystem sowie seine Funktion als wasserlösender Stollen für die Grubengebäude Schneeberg und Schlema-Alberoda hat die Anlage bis heute behalten. Darüber hinaus nimmt sie laut Daenecke eine wichtige Rolle bei der Sanierung der einstigen Uranerzabbaugebiete ein. Mit ihrer Hilfe ist es nach Wismut-Angaben gelungen, die Radonbelastung in den Ortslagen Schneeberg und Schlema immer weiter zu minimieren.