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Schon angezünd‘t

Der sächsische Bergmann hatte es nie leicht. Seine Frau sah er nur im Dunkeln. ckz1

Unten im Berg war es feucht und dunkel. Und in seiner dunklen Uniform kam er immer sehr zugeknöpft daher. Der Bergmann war der hart arbeitende kleine Mann, noch bevor es eine SPD gab, die mit ihm Wahlkampf machte. Wer tagsüber von der Bildfläche verschwindet, der hat nicht viel zu melden. Zumal es da unten auch keine Kristalle und Edelsteine zu holen gab. Die wirklich guten Sachen hatten die Altvorderen schon ausgegraben. Den Schachtschnaps, sozusagen das Lourdes-Wasser des Bergmanns, gab es zwar in rauen Mengen, aber den nahm ihm seine Frau immer ab, denn damit wurden die Fenster so schön streifenfrei. Blieben nur die kleinen Freuden. Ein Licht auf dem Adventskranz und der Gesang: "Glück auf, Glück auf, der Steiger kommt."

Das Steigerlied ist ein schönes altes Lied, es wird gesungen, wo immer hart arbeitende Männer in die Grube fahren. In Freiberg soll es zum ersten Mal gedruckt worden sein. Ein echter Welthit made in Sachsen, dabei könnte man es doch bewenden lassen. Aber für Sachsens CDU kann so ein Lied nicht einfach ein Lied sein - es muss zum Traditionsgut werden, zum Identitätsmerkmal, zur Hymne.

Nun ist es raus, Stanislaw Tillich (CDU) will das Steigerlied zur Sachsenhymne machen. Es sei "der heimliche Favorit" des Ministerpräsidenten, heißt es aus der Staatskanzlei.

Wozu braucht Sachsen eine Hymne? Klar, weil Bayern auch eine hat. Die Bayern haben ihren Defiliermarsch, die Niedersachsen haben das "Niedersachsenlied", die Berliner singen "Im Grunewald ist Holzauktion". Doch die Sachsen blieben bislang stumm, dabei haben sie das schöne Steigerlied. Dass das schon die heimliche Hymne des Saarlands ist, stört die Sachsen wenig.