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| 15:42 Uhr

Buchmesse
Schnee- und Verkehrschaos beim Bücherfrühling in Leipzig

Die Fahrgäste, darunter Besucher der Buchmesse, stehen dicht gedrängt an einer Haltestelle der Straßenbahn vor dem Leipziger Hauptbahnhof. Ein Ordner und eine Polizistin versuchen den Andrang zu regeln.
Die Fahrgäste, darunter Besucher der Buchmesse, stehen dicht gedrängt an einer Haltestelle der Straßenbahn vor dem Leipziger Hauptbahnhof. Ein Ordner und eine Polizistin versuchen den Andrang zu regeln. FOTO: Sebastian Willnow / dpa
Leipzig. Dichtes Schneetreiben, Bahnchaos und Stau auf den Zufahrtsstraßen: Tausende Literaturfreunde harren am Leipziger Hauptbahnhof in der Kälte aus. Viele kommen erst nach Stunden auf der Leipziger Buchmesse an.

Heftiger Schneefall und ein Verkehrschaos bei der Bahn und auf den Straßen haben der Leipziger Buchmesse am Samstag zugesetzt. Ausgerechnet am besucherstärksten Messetag behinderte das Wetter Besucher und Aussteller am Morgen bei der Anreise zum Bücherfrühling. Die Deutsche Bahn sperrte den Leipziger Hauptbahnhof am Morgen wegen eingefrorener Weichen und Schneeverwehungen, wie ein Unternehmenssprecher sagte. Das hatte auch Folgen für den S-Bahn-Verkehr zum Messegelände. Die Leipziger Verkehrsbetriebe setzten wegen des Schneetreibens ihren Fahrplan außer Kraft.

Schneebedeckte, leere Gleise vor dem Leipziger Hauptbahnhof. Starker Schneefall hat den Zugverkehr am Leipziger Hauptbahnhof am Samstag komplett lahmgelegt. Die Sperrung des Bahnhofs betreffe sowohl den Fern-, als auch der Nahverkehr, teilte die Deutsche Bahn am Morgen mit.
Schneebedeckte, leere Gleise vor dem Leipziger Hauptbahnhof. Starker Schneefall hat den Zugverkehr am Leipziger Hauptbahnhof am Samstag komplett lahmgelegt. Die Sperrung des Bahnhofs betreffe sowohl den Fern-, als auch der Nahverkehr, teilte die Deutsche Bahn am Morgen mit. FOTO: Sebastian Willnow / dpa

„Ich sitze seit Stunden in einem IC auf Gleis 13“, sagte Stefanie Leo am Samstagmittag. Sie ist Bloggerin für Kinder- und Jugendbücher und Jury-Mitglied des Leipziger Lesekompasses. Leo wollte eigentlich nur den Donnerstag und Freitag auf der Messe und in Leipzig verbringen.

Doch die Züge fuhren am Samstag nicht. Der Hauptbahnhof war wegen vereister Weichen und Schneeverwehungen gesperrt. Eigentlich sollte der Intercity, in dem sie sitze, schon 6.37 Uhr losfahren, sagte Leo. Auch der ICE am Nachbargleis stehe seit Stunden unverändert. Die Bahnmitarbeiter seien sehr freundlich, es gebe regelmäßige Ansagen - doch kaum Infos, wann und wie es weitergehe. „Wenn es heißt, dass ein Zug gleich losfahren könne, stürmen viele raus und nehmen auch in Kauf, auf dem Fußboden zu sitzen, statt weiter zu warten.“

Tatsächlich fahre hin und wieder ein Zug ab, beobachtete Stefanie Leo. Viele Reisende zeigten sich in der Zwangspause hilfsbereit. „Es werden Stromkabel herumgereicht, oder auch mal ein Stück Schokolade, wenn jemand etwas braucht“, sagte Leo. Mehrfach wechselte sie am Vormittag den Zug, weil es hieß, dass der neue den Bahnhof bald verlassen könnte - immer wieder vergeblich. Nach fünf Stunden war es soweit: In einem Intercity-Express konnte sie über den Umweg Frankfurt/Main die Heimreise nach Solingen antreten.

Das Chaos bei der Bahn und auf den Straßen hat die Buchmesse aber nicht ausgebremst. „Es sind nur einige wenige Lesungen abgesagt worden, weil die Autoren nicht rechtzeitig auf das Gelände gekommen sind“, sagte eine Sprecherin der Leipziger Buchmesse. Generell sei der Besuch aber sehr gut, die Messehallen voll mit Besuchern, sagte die Sprecherin am Samstagmittag.

Am Morgen hatten Hunderte Literaturfans vor dem Hauptbahnhof in Leipzig in eisiger Kälte auf Straßenbahnen gewartet. Viele von ihnen hatten nur dünne Kostüme an, weil sie sich extra für die Manga-Comic-Con verkleidet hatten. Und wer auf andere Verkehrsmittel umsteigen wollte, musste lange warten. An den Taxiständen am Bahnhof bildeten sich lange Schlangen und mit dem eigenen Auto wurde die Anreise zum Messegelände zur stundenlangen Geduldsprobe.

Am Samstagmittag erhielt Solveig Engel für ihren Thriller „Neondunkel“ um eine Physikerin den Indie-Autor-Preis. Sie bekommt 300 Euro Preisgeld und einen Verlagsvertrag. In diesem Jahr waren ausschließlich Autoren im Genre Krimis und Thriller nominiert.

Zur Halbzeit hatte die Messe an den ersten beiden Tagen bis Freitag rund 81 000 Besucher gezählt. Bis zum Sonntag werden auf dem Messegelände und dem Lesefestival „Leipzig liest“ knapp 300 000 Besucher erwartet.

(dpa/fh)