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Schließt euch einfach mal ein

Post aus Dresden. Man sollte öfter in Klausur mit sich selbst gehen. Das reinigt die Luft und entschlackt die Eingeweide, und hinterher kann man wieder beherzt über die Wiesen hopsen und Bäume ausreißen. ckz1

Oder welche einpflanzen, je nach politischer Verortung. Der Begriff "Klausur" kommt aus dem Kloster, wo die Nonnen und Mönche sich früher in ihr Zimmerchen einsperrten, wenn sie mal mit der Welt nicht klarkamen. Mitführen durften sie nur Wasser für 40 Tage Wüste und ein Selbstkasteiungsgerät für den Fall, dass sie etwas angestellt hatten. Und irgendwas hat man immer angestellt. Hinterher konnten sie dann wieder froh im Weinberg des Herrn malochen, ohne plagende Zipperlein.

So ähnlich ist das auch bei Fraktionsklausuren, die jetzt vor den Sommerferien wieder überall steigen. Man sperrt sich mit den Seinen ein in einem peripheren Landgasthof. Am besten in einem mit einem Wasserlauf drum herum, damit sich nachts keiner verkrümeln kann. Und drin geht es dann an die Luftreinigung. Das tut dem Kollektiv gut. Man muss die Krawatte mal abschnallen können. Man muss sich auch mal gepflegt anschnauzen können, ohne dass es am nächsten Tag in der Zeitung steht.

In Klausur sieht der Abgeordnete die Leute, mit denen man sonst auf endlosen Konferenzen hockt, mal erfrischend gebrochen durch ein großes Bierglas. So eine Fraktionsklausur kann man von außen leicht mit einem Betriebsausflug verwechseln. Sachsens SPD-Fraktion zum Beispiel, die fuhr neulich Boot in Bad Muskau, wie spaßig. Eher traditionell gingen es die Linken an. Die kasteiten sich in Klausur in einem Radebeuler Hotel ausgiebig dafür, dass kein Mensch mehr über Rot-Rot-Grün spricht.

Hinterher jedenfalls trinken dann alle noch einen zusammen auf dem Landtags-Sommerfest und machen sich dann ab in den Sommerurlaub. Schön auch, wenn man sich mal sechs Wochen lang nicht sehen muss.